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Forscht mit! am Südpol:
Aus dem Leben eines Polarforschers

Dr. Gert König-Langlo vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung erforscht das Wetter und wie es sich verändert – er ist Meteorologe. Das Besondere an seiner Arbeit ist sein Arbeitsplatz: ein paar Monate im Jahr forscht er in der Antarktis, auf der deutschen Forschungsstation Neumayer III. Die Station ist auf einer Plattform oberhalb der Schneeoberfläche gebaut, verbunden mit einer in den Schnee gebauten Garage. Hier leben und arbeiten das ganze Jahr über Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Wie ihr Alltag aussieht, erzählt der Forscher im Interview.

Neugierige Nachbarn: Pinguine
Neugierige Nachbarn: Pinguine

Wie viele Monate im Jahr sind Sie in der Antarktis?
Heute leite ich die Wetterbeobachtungen auf der Neumayer III und auf dem Forschungsschiff Polarstern. Da muss ich oft in Deutschland sein und fahre nur noch im antarktischen Sommer zur Station. Das sind zwei bis drei Monate, ungefähr von Januar bis März. Und da ich mich mit einem Kollegen abwechsele, kommt das auch nur noch alle zwei Jahre vor. Früher habe ich dort aber auch überwintert. Der Winter dauert von März bis November. Oft bleiben wir Forscher dann auch den Sommer davor und danach noch da und sind 15 Monate am Stück in der Antarktis.

Wie reisen Sie in die Antarktis?
Früher sind wir mit unserem Forschungsschiff, der Polarstern, dorthin gefahren. Wenn wir auf dem Weg etwas untersucht haben, dauerte die Fahrt ganz schön lange. Bis zu einem Monat waren wir unterwegs. Seit zehn Jahren fliegen wir von Kapstadt in Südafrika aus mit einem russischen Flugzeug zu einer russischen Station in der Nähe der Neumayer III. Dort kann die große Maschine landen. Von da geht es dann in einem kleineren Flugzeug weiter bis zu unserer Station. Das geht relativ schnell. Sechs Stunden brauchen wir bis zur russischen Station und dann noch einmal vier bis fünf Stunden bis zur Neumayer III. Der Flug ist aber immer abhängig vom Wetter. Wenn das Wetter zu schlecht ist, können wir nicht fliegen. Dann haben wir manchmal ein paar Tage Urlaub in Kapstadt. Aber, wenn wir Pech haben, müssen wir auch in der russischen Station warten, bis wir weiter fliegen können. Dort ist es nicht sehr bequem.

Was nehmen Sie mit, wenn Sie in die Antarktis fahren?
Wir werden dort gut versorgt und brauchen selber kaum etwas mitnehmen. Essen und Trinken sind genug vorhanden. Außerdem gibt es eine gut ausgestattete Bibliothek und eine Videothek und jede Menge Musik. Die meisten nehmen private Bilder, Instrumente oder etwas zum Basteln mit. Viele packen ihre Kisten aber gar nicht erst aus. Denn viel Freizeit gibt es auf der Station nicht. Ich arbeite meist 16 Stunden am Tag und den Rest der Zeit schlafe ich.

Was vermissen Sie besonders, wenn Sie dort sind?
Am meisten vermisse ich meine Familie, meine Kinder und meine Freunde. Wenn wir überwintern, dann fehlen uns irgendwann auch frische Lebensmittel wie Obst oder Milch. Der erste Apfel nach meiner ersten Überwinterung war der leckerste, den ich je gegessen habe.

Wie sieht Ihr normaler Tag auf der Neumayer-Station aus?
Alle drei Stunden machen wir Wetterbeobachtungen. Dafür müssen wir auch manchmal zu den Messinstrumenten, die nur 300 Meter von der Station entfernt sind. Die Instrumente senden die Daten aber auch direkt in die Station. Die Beobachtungen schicken wir dann per E-Mail in die ganze Welt. Das geht so bis Mitternacht. Zwischendurch empfangen wir Satellitenbilder, beantworten E-Mails oder lassen den Wetterballon starten. Der Ballon bringt Messgeräte weit nach oben in den Himmel und misst zum Beispiel die Temperaturen dort, wo wir nicht mehr hinkommen. Manchmal müssen wir auch Geräte reparieren, die kaputt gegangen sind. Es wird also nie langweilig – eher im Gegenteil.

Forschen mit dem Wetterbalon
Forschen mit dem Wetterbalon

Was genau erforschen Sie in der Antarktis?
Ich forsche über das Wetter. In der Antarktis beobachten wir vor allem die Veränderungen der Temperaturen, also wie sich das Klima verändert und das Ozonloch. Überall auf der Welt steigen die Temperaturen, nur in der Antarktis nicht. Wir wissen noch nicht, warum, aber versuchen das herauszufinden. Und beim Ozonloch haben wir festgestellt, dass es, nachdem es lange immer größer geworden ist, nun nicht mehr wächst. Wir hoffen nun, demnächst die „Heilung“ des Loches messen zu können.

Was bekommen Sie auf der Station zu essen?

Es ist immer ein Koch auf der Station und der ist für die gute Stimmung der ganzen Mannschaft verantwortlich. Ich finde, sie kochen phantastisch. Manchmal verwöhnt er uns richtig, dann gibt es auch mal außergewöhnliche Sachen zu essen. Ich habe dort zum Beispiel das erste Mal in meinem Leben ein Straußensteak gegessen. Im Sommer haben wir immer frische Lebensmittel, weil wir regelmäßig beliefert werden. Im Winter sieht das anders aus. Da haben wir über Monate nur über Funk Kontakt mit der Außenwelt. Dann gehen irgendwann die Äpfel, die Eier oder die frische Milch aus. Jogurt haben wir dann auch nur noch tiefgefroren, das ist nicht so meine Sache. Wenn dann im November oder Dezember der erste Helikopter mit der Post und frischen Sachen kommt, ist das schöner als Weihnachten.

Macht Ihnen die Kälte nichts aus?

Es kann schon ganz schön kalt dort werden, bis zu minus 50 Grad. Das ist für mich aber kein Problem. Es ist ja nicht so eine Kälte wie zu Hause in Deutschland. Man friert nicht, sondern die Kälte kann weh tun, wenn man falsch angezogen ist. Deswegen ist gute warme Kleidung sehr wichtig. Der Wind kann aber schon unangenehm werden. Wenn er tagelang den Schnee so aufwühlt, dass man nichts mehr sehen und die Station nicht verlassen kann, dann schlägt das irgendwann schon aufs Gemüt.

Wie bleibt es in der Station warm?

Wir stellen unseren Strom selber her mit einem Generator, der mit Diesel betrieben wird. Dieser erzeugt Wärme, die er aber nicht braucht. Die nutzen wir dann, um zu heizen oder warmes Wasser zu bekommen.

In der Nähe der Station gibt es Pinguine. Wie sind die denn so als Nachbarn?
Die Pinguine sind sehr neugierig. Manchmal watscheln sie den ganzen Weg von ihrer Kolonie bis zur Station, um zu gucken, was wir so machen. Und das sind immerhin fast zehn Kilometer. Aber, wenn sie sich dann gerade da hinstellen, wo wir den Schnee für unser Trinkwasser hernehmen, ist das nicht so toll. Wir wollen ja keine Federn im Wasser haben.
Es macht immer Spaß, in der Kolonie vorbeizuschauen. Im Winter sind da tausende von Pinguinen, meist Kaiserpinguine – das ist ein ganz schönes Geschnatter. Wir dürfen uns den Pinguinen nicht nähern, das ist eine Vorschrift des Umweltbundesamtes. Aber die Pinguine kennen diese Regel nicht und kommen uns oft mal näher.

Gibt es noch andere Tiere in der Nähe der Station?
Es gibt Robben auf dem Meereis. Ab Oktober bekommen sie dort ihre Jungen. Da kann man ganz nah dabei sein. Sie haben keine Feinde auf dem Eis, da es in der Antarktis zum Beispiel keine Eisbären gibt. Dadurch haben sie auch keine Angst. Außerdem gibt es hier auch viele Vögel zu beobachten. Das finde ich besonders interessant. Hier gibt es zum Beispiel Küstenseeschwalben oder Albatrosse zu sehen.

Haben Sie schon mal eine gefährliche Situation erlebt?

Besonders gefährlich ist es, wenn ein Unfall auf der Station passiert. Deshalb lebt immer auch ein Arzt auf der Neumayer III. Einmal habe ich erlebt, dass unser Arzt selber eine Blinddarmentzündung hatte. Zum Glück konnte er sich mit Medikamenten (Penicillin) selber behandeln. Sonst hätten wir Forscher ihn operieren müssen.

Wenn sich ein Kind heute überlegt, Polarforscherin oder Polarforscher zu werden, wenn es erwachsen ist, wird es dann das gleiche in der Antarktis sehen wie Sie heute?
Ja, mit Sicherheit. Speziell in der Antarktis wird es dann immer noch so sein wie heute. Es ist dort ja menschenleer, das heißt, durch den Menschen wird dort nichts verändert. Und es ist auch so kalt, dass selbst durch die Klimaerwärmung nichts abschmilzt.
Also, wenn sich ein Kind überlegt, Polarforscher zu werden, ist es später herzlich willkommen bei uns. Wir brauchen in jedem Jahr neue Leute, die mit auf die Station fahren. Das müssen nicht nur Wetterforscher sein. Es werden auch immer Ingenieure, Ärzte, Köche oder Elektriker gebraucht, die sich gerne bei uns melden können.

Viele spannende Informationen und Bilder der Neumayer III-Station in der Antarktis findet man auch unter www.awi.de.

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