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Zwei Paletten zum Mischen von Farben.

Die rechte Palette hat der Maler schon öfter zum Mischen benutzt – sie wird immer dunkler.

Museumspädagogin Anja Birkel und Kindergruppen in der Werkstatt "Kinder-Reich" der Gemäldegalerie Berlin vor einer Leinwand.

Museumspädagogin Anja Birkel zeigt Kindergruppen in der Werkstatt „Kinder-Reich“ der Gemäldegalerie Berlin, wie im 17. Jahrhundert auf Leinwand gemalt wurde.

Farbpulver "Ultramarinblau" und das Gestein Lapislazuli in einem Gefäß

Farbpulver "Ultramarinblau" – auch Königsblau genannt – und links das seltene Gestein, aus dem die kostbare Naturfarbe extrahiert wird.

Getrocknete Läuse in einer Schale als Basis für Karmin-Rot

Getrocknete Läuse sind die Basis für Rot-lila (Karmin).

Ocker: Erdfarben in sechs Tönen

Ocker: Erdfarben in sechs Tönen

verschiedene Pinsel aus Haaren vom Rinderohr oder vom Eichhörnchenschwanz

Pinsel aus Haaren vom Rinderohr oder vom Eichhörnchenschwanz sind weich.

Eine Kinderhand zeigt auf ein hohes Leinwandgemälde

Viel Fläche, viel Farbe: Das größte Leinwandgemälde in der Gemäldegalerie ist vier Meter hoch.

Die Farben alter Meister

Rot aus Kaktusläusen? Königsblau aus seltenen Steinen? In der Berliner Gemäldegalerie gibt es über 3.000 Bilder – darunter Werke berühmter europäischer Maler aus dem 13. bis 18. Jahrhundert. Im „Kinder-Reich“ hat das Museum ein Atelier des 17. Jahrhunderts nachgebaut. Hier erleben die Kinder, wie Künstler damals gearbeitet haben.

"Blau wird aus Blaubeeren gemacht!“
Fast immer, wenn Museumspädagogin Anja Birkel die Kinder nach Ideen fragt, woraus wohl die wertvollste aller Naturfarben, das Ultramarinblau, gewonnen wird, bekommt sie diese Antwort. Die Kinder liegen gar nicht so falsch. Vor mehr als 400 oder 500 Jahren wurden Farben tatsächlich aus Pflanzen und anderen Naturalien wie Gesteinen gewonnen. Manche Künstler arbeiten noch heute mit Naturfarben, die nicht selten von weit her kommen, aufwändig herzustellen und daher teuer sind.

Die Natur – ein spannender, großer Farbenladen
„Ultramarinblau ist auf alten Gemälden selten zu finden", sagt Anja Birkel. Damals wie heute ist die leuchtende Naturfarbe sehr kostbar. Sie wird aus dem Halbedelstein Lapislazuli gewonnen, der nur in Afghanistan zu finden ist. „Das Blau wurde daher nur für besonders wertvolle Bildinhalte verwendet, zum Beispiel den Umhang der Jungfrau Maria. Das fällt auch den Kindern auf", erzählt die Kunstgeschichtlerin weiter.

Ähnlich kostbar ist die Farbe Purpur, die aus im Mittelmeer lebenden Schnecken gewonnen wurde. Sie sondern einen gelblichen, stinkenden Schleim ab, der sich in der Sonne grün und später purpur färbt. Anja Birkel holt jetzt eine Schale mit dunklen Krümmeln hervor: „Das hier sind keine Steinchen, sondern vertrocknete Schildläuse, die man auf mexikanischen Kakteen findet. Aus ihnen gewinnt man den rot-lila Naturfarbstoff Cochenille, auch Karmin genannt."

Kräftiges Gelb kam damals ebenfalls von weit her, aus Indien nämlich. „Dort hatte man Kühe bei reduzierter Wasserzufuhr mit Mangobaumblättern gefüttert, bis sie einen kräftig gelben dickflüssigen Urin gelassen haben, aus dem Indischgelb extrahiert wurde. Dieses Verfahren ist heute zum Schutz der Tiere verboten", erklärt Anja Birkel. Viele Gelbtöne gibt auch der Boden her: Die bekannten Ocker sind Erdfarben, die vielerorts zu finden sind und gelbe, braune, rote oder sogar grüne Farbpigmente hergeben.

Was ist das denn? Eine Schweinsblase?

Die richtige Mischung
Vor über 500 Jahren begannen Künstler mit der Ölmalerei. In Muschelschalen verrührten sie die teuren Farbpulver mit Walnuss- oder Leinöl zu kräftigen Farben. Vermischt mit Wasser hätten sich die Farbpigmente wieder abgesetzt. Mit den teuren Farben musste der Künstler gut und lange haushalten. Oft arbeitete er mehrere Monate an einem Bild. Anja Birkel hält jetzt einen komischen Ballon in der Hand: „Der Maler bewahrte die Farben in einer Schweinsblase auf und schützte sie so vor dem Austrocknen."

Zu den wichtigsten Werkzeugen des Malers gehört die Palette, auf der er aus den Grundfarben unendlich viele Farbtöne mischen kann. Dazu benutzt er verschiedene Pinsel, damals zum Beispiel aus weichen Schwanzhaaren des Eichhörnchens oder aus Haaren des Rinderohrs. Im Atelier bewahrte der Künstler zudem verschiedene Requisiten auf, die in seinen Bildern vorkamen – Hüte, Kleider, Möbel oder Gefäße. An ihnen konnte er beobachten, wo das Licht dunkle Schatten warf oder wo es hell reflektierte.

Malen auf Papier?
„Wenn ich die Kinder frage, worauf Bilder gemalt werden, fällt ihnen eigentlich nur Papier oder Pappe ein. Dass Maler kein Papier verwenden, erstaunt die Kinder", sagt die Museumspädagogin. Damals wie heute malen Künstler hauptsächlich auf gespanntem Leinenstoff. Anders als bei Bildern auf Holz oder Kupfer sind Leinwände günstig, leicht zu transportieren und sogar zusammenrollbar.

Wenn das Bild fertig ist, versiegelt der Maler es mit einer Schutzschicht aus klarem Leim – der Firnis. Viele alte Gemälde erscheinen heute dunkler als damals, da Firnis nachdunkelt. „Die Farben darunter sind zum Glück meist noch genauso brilliant wie vor hunderten Jahren", freut sich Anja Birkel.

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