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Eine Überlandleitung der „Stromautobahn“ (Foto: Hartmut910, pixelio.de)
Eine Überlandleitung der „Stromautobahn“ (Foto: Hartmut910, pixelio.de)

Das Stromnetz:
Verstrickt bis zur Steckdose

Deutschland hat eines der modernsten Stromnetze der Welt. Das ganze Land ist ober- und vor allem unterirdisch verkabelt. Über dieses Stromnetz fließt rund um die Uhr elektrische Energie in Wohnhäuser und andere Gebäude. Wie viele Kilometer Kabel liegen in der Erde? Sind die Stromleitungen gefährlich? Und wer behält im Kabelgewirr eigentlich den Überblick? Das weiß Yvonne Grösch von der Bundesnetzagentur in Bonn.

Der Strom, der in deutschen Kraftwerken, Solaranlagen oder Windparks erzeugt wird, muss in der Regel zunächst über längere Kabelstrecken zu Umspannwerken oder großen Industriebetrieben übertragen werden. „Das nennt man Übertragungsnetz“, sagt Yvonne Grösch. Danach kann der Strom regional, z. B. an Wohnhäuser, weiterverteilt werden. Das passiert dann über das Verteilernetz. „Vergleicht man diese beiden Stromnetze mit dem deutschen Straßennetz, wäre das Übertragungsnetz die Autobahn und das Verteilernetz die Land- oder örtliche Straße.“

Hochspannungskabel (Foto: Paulwip, pixelio.de)
Dieses Schild warnt vor einem Hochspannungskabel. (Foto: Paulwip, pixelio.de)

Auf der „Stromautobahn“ fließen jeden Tag etwa 1,4 Milliarden Kilowattstunden.
Diese Menge ist schwer vorstellbar. Mit nur einer Kilowattstunde kann man eine Stunde lang Staubsaugen oder ein großes Mittagessen auf dem Elektroherd kochen. Der über große Entfernungen zu transportierende Strom wird durch oberirdische Hochspannungsleitungen übertragen. Auf den großen Stahlgittermasten sind etwa 130.000 Kilometer Kabel verlegt – das ist die halbe Strecke bis zum Mond.

Elektrische Hochspannung bedeutet, dass Elektronen bildlich gesprochen mit sehr hohem Druck durch das Kabel gepresst werden. Damit die so genannte Stromautobahn möglichst viel Strom transportieren kann, werden Höchstspannungen von mindestens 220.000 Volt eingesetzt – tausend Mal stärker, als aus der normalen Steckdose. „Hochspannung ist sehr gefährlich, man darf auf keinen Fall in die Nähe kommen. Deshalb sind die Masten auch so hoch“, erklärt Yvonne Grösch. Vögel, die sich auf die Überlandleitung setzen, sind nicht durch einen Stromschlag gefährdet, weil sie keinen gleichzeitigen Kontakt zur Erde haben.

Über das Verteilernetz, also die Land- und Ortsstraßen des Stromnetzes,…
…wird die elektrische Energie dann in einzelne Regionen bis an die Wohnhäuser, zusammen ungefähr 40 Millionen Abnahmestellen, weitergeleitet. Dieses Netz ist 1,7 Millionen Kilometer lang – damit ließe sich die Erde über vierzig Mal umschlingen. Das Verteilernetz wird von ca. 900 Firmen betrieben – den Netzbetreibern. Sie kontrollieren und pflegen das Stromnetz. „Die Betreiber der Höchstspannungsnetze fliegen regelmäßig mit Hubschraubern über ihre Leitungen, um nachzusehen, ob alles in Ordnung ist“, erzählt Yvonne Grösch.

Über 90 Prozent aller Stromnetzkabel in Deutschland sind im Boden verlegt, ungefähr einen Meter tief. Ein Erdkabel hat nach außen eine sehr robuste Kunststoffisolierung. Dieser Kabelmantel schützt die inneren Stränge gegen Feuchtigkeit, Korrosion, chemische Einflüsse oder Nagetiere. Im Gegensatz dazu sind Überlandleitungen der Witterung ausgesetzt und nur durch die dazwischen liegende Luft voneinander isoliert. Yvonne Grösch sagt: „Viele Menschen wünschen sich, dass auch die Höchstspannungsleitungen unter der Erde verlegt werden, damit man sie nicht mehr sieht. Das ist technisch schwierig, sehr aufwändig und teuer. Im Ausnahmefall kann man das natürlich machen, aber nicht überall.“

Was passiert bei einem Stromausfall?
Strom wird im selben Moment erzeugt und transportiert, in dem er gebraucht wird. Ein Stromausfall passiert dann, wenn es ein Ungleichgewicht zwischen Bereitstellung und Bedarf gibt oder zum Beispiel bei Bauarbeiten ein Kabel durch einen Bagger beschädigt wird. „Es sind auch schon kleine Flugzeuge in die Leitungen geflogen und haben sie beschädigt“, berichtet Yvonne Grösch. „Vor sieben Jahren ist bei einem Eisregen im Münsterland mal eine Leitung unter dem Gewicht des Eises zusammengebrochen und die Leute hatten fast zwei Wochen lang keinen Strom.“ Weit reichende oder längere Stromausfälle kommen hierzulande allerdings extrem selten vor, da die Leitungen mit einer doppelten Sicherung gebaut werden, der einen Großausfall verhindert.

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