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Artikel aus "Papier + Technik" 7/2015

„Tolle Denkanstöße bekommen“

Im Rahmen des Projekts „Forschen und Entdecken mit Papier“ experimentieren bayrische Grundschüler mit dem Werkstoff Papier. Für Lehrer gibt es eine spezielle Fortbildung. Eine Grundschullehrerin spricht über ihre Erfahrungen.

Zusammen mit dem im letzten Schuljahr angelaufenen Lehrplan Plus für Grundschulen in Bayern wurde die Lehrerfortbildung „Forschen und Entdecken mit Papier“ ins Leben gerufen, die Grundschulkinder durch Experimente mit unserem Werkstoff Papier zum Forschen animieren soll. Bisher nahmen rund 900 Lehrkräfte an der Fortbildung teil, eine von ihnen ist Lore Hoisl-Weiersmüller, Grundschullehrerin an der Toni-Pfülf-Schule in München.

Frau Hoisl-Weiersmüller, Sie sind Klassenlehrerin einer dritten Klasse. Wie sind Sie auf unsere Fortbildung aufmerksam geworden und was konnten Sie bereits mit Ihren Schülern umsetzen?

Als das Schreiben vom Kultusministerium in die Schule kam, habe ich mich sofort dazu entschlossen, an der Lehrerfortbildung teilzunehmen. Der neue Lehrplan Plus gilt bisher nur für die ersten und zweiten Klassen, das Forschen und Experimentieren ist jedoch bereits jetzt schon fester Bestandteil meines Unterrichts. Die Fortbildung hat erst im Frühjahr stattgefunden, daher brauche ich noch ein wenig Zeit, um mich einzuarbeiten. In der Schulung habe ich tolle Denkanstöße bekommen. Bisher konnte ich mit meiner Klasse ein paar Versuche in der Geometrie und Symmetrie ausprobieren, zum Beispiel das Falten eines rechten Winkels oder eines Schmetterlings. Für meinen Sachunterricht habe ich mir vorgenommen, zukünftig neue Experimente einzubinden wie das Brückenbauen. In meiner AG „Papier, Wolle und Co“ ist das Papier als Werkstoff natürlich bereits fest etabliert, da es für Versuche aller Art sehr gut geeignet ist und die Kinder damit vertraut sind.

An Ihrer AG nehmen Kinder der Klassen zwei bis vier teil. Heute haben Sie mit den Kindern erforscht, wie sich selbst geschöpftes Papier beim Bemalen, Bedrucken und Beschreiben verhält. Ich hatte das Gefühl, dass die Kinder schon ganz richtig mit ihren Vermutungen lagen und einschätzen konnten, was passiert.

Das hat mich auch etwas erstaunt. Wir hatten im Vorfeld schon mal verschiedene Papiersorten in der AG besprochen, auch das Löschpapier. Die Kinder konnten die Eigenschaften dieses Papiers jetzt gut auf ihr eigenes ungeleimtes Papier übertragen. Für die Kinder ist Papier einfach Alltag und es fällt ihnen leicht, den Werkstoff einzuschätzen.

Arbeiten Sie als Lehrerin nach Ihrer Fortbildung anders mit den Kindern?

Für mich gehört zum Forschen schon immer auch das Präsentieren von Ergebnissen. Wir arbeiten stets in Gruppen und die Kinder berichten am Ende über ihre Lösungen und Erfahrungen. Neu für mich ist die systematische Vorgehensweise beim Forschen. Eigentlich ist es ja logisch: Man hat eine Frage und eine Vermutung und dann untersucht man die Sache und am Ende werden Ergebnisse präsentiert. Als ich dies nach der Fortbildung mit den Kindern probiert habe, sind sie problemlos darauf eingestiegen, so als hätten sie das immer schon so gemacht.

Und was gefällt Ihren Schülern am meisten beim Forschen?

Den Kindern macht es immer besonders Spaß, etwas selber auszuprobieren und Erfahrungen zu sammeln. Die Frustrationstoleranz ist natürlich nicht sehr hoch. Und wenn die Kinder etwas nicht kennen, sind sie auch eher zurückhaltend. Manches ist ihnen einfach zu abstrakt. Der Renner war kürzlich das Einbinden von Blüten in die Papiermasse beim Papierschöpfen. Da waren sie ganz heiß drauf und sehr engagiert und konzentriert bei der Arbeit. So ein Papier macht dann einfach was her und es hat auch nicht jeder.

Gut geeignet sind weiterhin schnelle Experimente. Beim Papierreißen hatten sie gleich raus, wie es funktioniert. Wann kriege ich einen schönen Streifen und wann geht es nicht gut und wieso? Das ist ein schönes Aha-Erlebnis und begeistert die Kinder, weil sie es recht zügig selber hinbekommen. Sie merken dann schon, dass es mit der Laufrichtung des Papiers zu tun hat und nicht einfach nur Glück oder Können einer Person ist. Das bleibt hängen.

Haben Sie das Gefühl, dass bestimmte Kompetenzen der Kinder durch das Forschen und Entdecken mit Papier gestärkt werden?

Hier an meiner Schule mit hohem Migrationsanteil spielt natürlich die Sprachkompetenz durch das ständige Beschreiben und Austauschen eine große Rolle. Weiterhin fördert das Experimentieren stark die Sozialkompetenz, die auch später für den Beruf sehr wichtig ist. Problemlösendes Denken wird durch das Forschen ebenfalls speziell geschult und das unabhängig von den mathematischen Grundkenntnissen der Kinder. Hier kommen fast alle Schüler gleich gut mit. Sie lernen, wie man an eine Aufgabe herangeht und ein Projekt zu Ende führt. Sie können ausprobieren und begreifen, im wahrsten Sinne des Wortes und finden so im praktischen Arbeiten ihre Stärken. Das fördert das Selbstbewusstsein. Ich kann das! Das überträgt sich dann vielleicht über längere Zeit auch auf andere Fächer, in denen die Kinder bisher Schwierigkeiten hatten und sie lernen so schon früh auf einfacher Ebene wichtige Dinge für den Arbeits- und Lebensalltag.

So wie sich das anhört, sind Ihre Schüler auf dem besten Wege, richtige kleine Forscher zu werden.

Ja, das ist wirklich eine gute Sache mit dem Forschen. Die Kinder nehmen für sich einiges mit und mir macht es auch sehr viel Spaß (lacht). Ich habe richtig Lust, im kommenden Schuljahr die neuen Experimente mit ihnen auszuprobieren.

Herzlichen Dank für das Interview und Ihr Engagement als Lehrerin. Ich wünsche Ihnen und Ihren Schülern weiterhin viel Erfolg und Freude beim Forschen und Entdecken mit Papier.

 

Der Artikel erschien im Original in der Zeitschrift "Papier + Technik" 7/2015 (http://www.papierundtechnik.de). Das Interview führte Johanna Schilling, Referentin bei den Bayerischen Papierverbänden. 

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