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Peter Rösner, Katharina C. Spieß, Christian Füller, Ursula Rabe-Kleberg, Christoph von Knobelsdorff

Das Podium: v.l.n.r. Peter Rösner, Katharina C. Spieß, Moderator Christian Füller, Ursula Rabe-Kleberg, Christoph von Knobelsdorff

Peter Rösner und Katharina C. Spieß im Gespräch

Peter Rösner: "Ko-konstruktive Ansätze sind gut, aber in der Praxis immer noch eine Herausforderung."

Publikum

Fragen und Meinungen aus dem Publikum

Ursula Rabe-Kleberg

Ursula Rabe-Kleberg will der sozialen Ungleichheit mit Bildung begegnen.

21. Juni 2011

Diskutiert: Wie viel Bildung passt in die Kita?

Am 21. Juni 2011 lud die Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ im Rahmen der Berliner Stiftungswoche zu einem Podiumsgespräch ins Spreepalais ein. Moderiert von taz-Redakteur Christian Füller diskutierten Christoph von Knobelsdorff (Industrie-und Handelskammer Berlin), Prof. Dr. Katharina C. Spieß (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung), Prof. Dr. Ursula Rabe-Kleberg (Universität Halle-Wittenberg) und Dr. Peter Rösner (Stiftung Haus der kleinen Forscher) die Frage „Wie viel Bildung passt in die Kita?“.

Die Rolle der Erzieherin und des Erziehers: Wie viel Lernbegleitung braucht ein Kita-Kind?

Bildung und Kita werden heute in einem Atemzug genannt. Das war nicht immer so. Welche Rolle hat die moderne Erzieherin oder der Erzieher? Wie viel Lernbegleitung braucht ein Kind? Prof. Dr. Ursula Rabe-Kleberg erklärt die Aufgabe der Fachkraft damit, dass sie im weitesten Sinne „Räume“ schafft – örtlich, strukturell und durch Impulse. Denn Lernen vollzieht sich in all diesen „Räumen“ und scheint in einem vertrauten Umfeld mit vertrauten Personen besonders gut zu glücken.

Daher, so ergänzt Prof. Dr. Katharina C. Spieß, seien die persönliche Bindung zu Erwachsenen und die Interaktion mit ihnen für Kinder in den ersten Lebensjahren sehr bedeutsam. Dr. Peter Rösner bezieht sich auf seine Erfahrungen im Rahmen der bundesweiten Bildungsinitiative „Haus der kleinen Forscher“: Ko-konstruktive Ansätze seien gut, aber in der Praxis immer noch eine Herausforderung.

Von Englisch über Musik bis zur Medienbildung: Haben Eltern zu hohe Ansprüche?

Die Wissenschaftlerinnen Rabe-Kleberg und Spieß sprechen davon, dass soziale, pädagogische und entwicklungspsychologische Aspekte im frühkindlichen Bildungsangebot gut verwoben sein müssen. Doch könne es nicht um das Lernen allein gehen, auch Betreuungs- und Erziehungsaufgaben lägen immer noch in der Kita. Christian Füller unterstreicht die steigenden Anforderungen an die pädagogischen Fachkräfte, indem er auch die wachsenden Erwartungen der Eltern an die Institution Kita thematisiert.

Spieß glaubt nicht, dass es für Bildung eine Obergrenze gebe, aber ein Ziel: Das soziale und intellektuelle Wohlbefinden des Kindes müsse gleichermaßen gefördert werden. Daher könne man nicht pauschalisieren, dass Englisch nichts in der Kita zu suchen habe. Vielmehr müsse man diese Diskussion im Kontext des jeweiligen sozialen Nahraums der Kinder und in Verbindung mit dem gewählten Vorgehen diskutieren.

Ganz nach Humboldt: Kann man einem umfassenden Bildungsgedanken gerecht werden?

Die Frage, ob Kitas Teil des Schulsystems werden sollten, verneint Rabe-Kleberg. Doch die Integration und das Verständnis von Kita als Teil des Bildungssystems sind in ihrem Sinne.
Sie spricht sich stark für die gemeinschaftliche Förderung der Bildungsprozesse aus. Der übergreifende Bildungsgedanke wird von Spieß aufgegriffen, indem sie eine Entwicklung von der „Kita“ zur „Familienbildungsstätte“ aufzeigt.

Rösner erläutert, wie es gelingen kann mit Angeboten wie dem „Haus der kleinen Forscher“ spezielle Inhalte in ein ganzheitliches, fächerübergreifendes Lernen zu überführen: Kinder die das Pipettieren lernen, üben unter anderem auch ihre feinmotorischen Fähigkeiten und trainieren sich in der Sprache.

Frühe Bildung – ökonomische Rendite: Lohnt das Investment oder ist es nur ein Hype?

Von Knobelsdorff, Geschäftsführer Aus- und Weiterbildung der IHK Berlin, ist überzeugt davon, dass sich das Investment in die frühe Bildung langfristig auszahlt. Er spricht sich für eine Kindergartenpflicht aus – mindestens im Jahr vor der Einschulung. Spieß ergänzt, dass es schließlich nicht allein um Schulreife, sondern auch um Lebensreife ginge, die man schon in den ersten sechs Lebensjahren grundsätzlich erwerbe. Daher spielten auch die nicht-kognitiven Lebensbereiche eine wichtige Rolle im Bildungsprozess und die Rendite für gute Bildung werde daher auch nicht erst im Erwachsenenalter ausgezahlt.

Kompetenzen, Wertschätzung und Gehalt: Wie viel Akademisierung braucht der Erzieherberuf?

Von Knobelsdorff fordert mehr Akademikerinnen und Akademiker in der Kita. Dies wirke sich positiv auf Besoldung und Wertschätzung für den Berufsstand aus. Spieß ist der Meinung, dass akademisch gebildete Erzieherinnen und Erzieher nicht unbedingt die besseren seien. Aber die Attraktivität des Berufs würde für Männer möglicherweise steigen.

Rösner plädiert hingegen für eine Durchmischung des Teams: „Man muss das Spiel mit der Mannschaft gewinnen, die auf dem Platz steht.“ Man dürfe nicht glauben, dass die neue Generation von Fachkräften sich gegen die jetzige behaupten könne. Es gehe vielmehr um eine gemeinschaftliche Weiterqualifizierung des Personals.

Zum Abschluss formulierten die Podiumsgäste Zukunftsaussichten:

Spieß setzt auf eine wünschenswerte Entwicklung von Kitas als Bildungszentren für Familien. Die Entwicklung vollzöge sich leider langsamer als gehofft.

Die Politik müsse den Lippenbekenntnissen nun Taten folgen lassen, so von Knobelsdorff. Er sieht in der langfristigen Beteiligung der Industrie einen zukunftsweisenden Beitrag – von der Frühbildung über das duale Ausbildungssystem bis zur Weiterqualifizierung von Erwachsenen.

Rabe-Kleberg will der sozialen Ungleichheit mit Bildung begegnen: Da, wo die größten Defizite sind, sollten die besten Kitas sein. Bildung kann nur gemeinschaftlich gelingen.

Rösner zieht eine positive Bilanz: Die Initiative „Haus der kleinen Forscher“ sei ein gutes Beispiel dafür, dass durch Finanzmittel und Engagement aus öffentlicher Hand  und der Wirtschaft eine erfolgreiche Bewegung entstehen kann.

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