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Im Fachforum sammelte die Stiftung "Haus der kleinen Forscher" Anregungen zu einem Zertifizierungsverfahren für Horte und Grundschulen.

Christina Mersch von der Stiftung zeigte einleitend, wie sich die Kita-Plakette der Stiftung im Laufe der Zeit verändert hat.

Zuhörer: Kitaleiterin Marion Hillerkus, Jörg Ramseger (FU), Burkhard Vettin (Niedersächs. Kultusministerium) und Tobias Barthl (Grüner Campus Malchow) regten spätere Gespräche mit Vorträgen an.

Im "Forschergarten" säten alle TeilnehmerInnen zum Abschluss ihre persönlichen Empfehlungen zur Zertifizierung aus.

Zwölf externe Fachleute waren der Einladung in die Stiftung am 26. Oktober 2012 gefolgt.

Fachforum zur Zertifizierung von Horten und Grundschulen

Wertschätzung, Motivator und Aushängeschild

Ab Herbst 2013 sollen neben Kitas auch Horte und Grundschulen die Möglichkeit haben, sich von der Stiftung zum "Haus der kleinen Forscher" zertifizieren zu lassen. Wie müsste das Verfahren in Anlehnung an die Kita-Zertifizierung aussehen? Was würde eine Zertifizierung für diese Einrichtungen bedeuten? Am 26. Oktober 2012 hat sich die Stiftung mit zwölf Fachleuten aus Wissenschaft, Politik und Praxis zu diesen Fragen zusammengesetzt.

Mit dem Zertifikat „Haus der kleinen Forscher" kann eine Kita ausweisen, dass sie das pädagogische Konzept der Stiftung in der Praxis umsetzt und das Forschen in den Alltag integriert. Das Zertifizierungsverfahren gibt der Kita außerdem Hinweise auf eigene Stärken wie auch Entwicklungspotentiale. Die allererste Kita-Plakette wurde im Oktober 2007 vergeben. 2011 ist das Kita-Zertifizierungsverfahren mit wissenschaftlicher Unterstützung federführend von Prof. Dr. Wolfgang Tietze von der Freien Universität (FU) Berlin, der auch das Kindergarten Gütesiegel entwickelt hat, weiterentwickelt worden. Seit Juli 2012 untersucht Prof. Dr. Yvonne Anders, ebenfalls FU Berlin, wie zuverlässig das online-gestützte Zertifizierungsverfahren die Praxis der naturwissenschaftlichen Bildung in den Kitas widerspiegelt.

Kann ein vergleichbares Zertifizierungsverfahren für Horte und Grundschulen eingesetzt werden? Dieses müsste auf jeden Fall spezifisch ausgerichtet sein und beispielsweise strukturelle Unterschiede zur Kita aufgreifen. In einer Grundschule mit Ganztagsangeboten wie einem Hort stellt sich nämlich u.a. die Frage, welche Rolle das Zusammenwirken der Bildungsarbeit der Unterrichts- mit denen der Hortfachkräfte bei der Zertifizierung dieser Einrichtung spielen muss.

Welche Qualitätskriterien sollte das "Haus der kleinen Forscher" ansetzen?
Prof. Dr. Jörg Ramseger, der an der FU Berlin zu Schulentwicklung und zur Naturwissenschaftsdidaktik in der Grundschule forscht, hat im Fachforum zentrale Qualitätskriterien für den Unterricht genannt. Das wichtigste Kriterium von allen lautet: „Guter naturwissenschaftlicher Unterricht vermittelt den Kindern die Erfahrung einer durch eigenes Denken gelösten Frage an die Natur." Ramseger weist darauf hin, dass die Beantwortung einer Frage Zeit erfordere und naturwissenschaftliche Bildungsprozesse daher über längere Forschungsphasen, z. B. in Projekten, stattfinden sollten. Bei der Diskussion im Forum kamen folgende Aspekte zur Sprache: Soll der nachvollziehbare Erkenntnisgewinn beim Kind bei der Zertifizierung eine Rolle spielen? Was hat das Kind verstanden, ist das messbar? Laut Diplom-Soziologin Dr. Christa Preissing von der Internationalen Akademie INA an der FU Berlin, die ebenfalls am Kita-Zertifizierungsverfahren der Stiftung mitgewirkt hat, sollte die Frage, wie Kinder naturwissenschaftliches Denken entwickeln, mit bedacht werden. Damit verweist sie auf die Qualität der Interaktion zwischen pädagogischen Fachkräften und den Kindern. Ein wichtiger Punkt ist zudem die Verzahnung der Bildungsarbeit im Unterricht und außerunterrichtlichem Bereich: Wie ergänzen sich Lehrkräfte und ErzieherInnen? Preissing schlägt dies ebenso als Kriterium für ein Zertifikat vor.

Dr. Janna Pahnke, wissenschaftliche Leiterin bei der Stiftung „Haus der kleinen Forscher", wies darauf hin, dass die kontinuierliche Zertifizierung der Einrichtungen auch einen Qualitätsentwicklungsprozess widerspiegelt: „Die Ziele, die wir mit unseren Angeboten erreichen wollen, sind vielschichtig: Lernfreude, Selbstvertrauen, Problemlösekompetenz, Verstehen von Zusammenhängen, aber auch die Haltung zum gemeinsamen Forschen. All das entwickelt sich über die Zeit. Forschen und das Einbetten naturwissenschaftlicher Bildung in den Einrichtungsalltag ist ein Prozess für alle Beteiligten. Die Zertifizierung ist deshalb auf Prozesshaftigkeit angelegt. Im Kitabereich kann das Zertifikat nach zwei Jahren erneuert werden."

Was bedeutet eine Zertifizierung für die Einrichtung und deren Beteiligte?
"Wichtig ist zu bedenken, was zertifiziert und wem damit welche Botschaft übergeben wird", so Wolfgang Schumacher, Regierungsschuldirektor im Ministerium für Schule und Weiterbildung in Nordrhein-Westfalen. Für die Akteure in den Einrichtungen kann ein Zertifikat eine große Wertschätzung ihrer Arbeit bedeuten und das eigene Profil stärken. Das sei auch den Eltern zunehmend wichtig, heißt es im Forum weiter. Wenn sich Horte und Grundschulen am Zertifizierungsprozess beteiligen, könnte das die personenbezogene Kompetenz und die Zusammenarbeit der jeweiligen pädagogischen Fachkräfte unterstützen. Ein projektorientierter Unterricht verzahnt mit dem außerunterrichtlichen Angebot wäre beispielsweise eine Chance. Die pädagogische Fachkraft kann sich gezielt in die MINT-Förderung einbringen, die eigene Arbeit reflektieren und sich inspirieren lassen. „Der Erfolg hängt maßgeblich von den beteiligten Pädagoginnen und Pädagogen ab. Das ist positiv zu sehen", sagt die Berliner Kitaleiterin Marion Hillerkus aus ihrer Erfahrung heraus.

Im Januar 2013 will die Stiftung "Haus der kleinen Forscher" damit anfangen, die Aspekte des Zertifizierungsverfahrens in ihren Pilot-Horten und -Grundschulen dem Praxistest zu unterziehen. Ab April sollen Tests in den Modellnetzwerken folgen, so dass sich mit Beginn des nächsten Schuljahres die ersten Grundschulen und Horte zertifizieren lassen können.

     

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