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Praxisbeispiel aus der Kita

Wir bauen einen Tisch

Neun Monate lang beschäftigten sich zehn Kinder zwischen drei und sechs Jahren in der Kita Hollerbusch aus Schulzendorf in Brandenburg mit dem Projekt: Wie baut man einen Tisch? Das Projekt war 2012 beim Kita-Wettbewerb "Forschergeist" nominiert.

Von der Idee zur Umsetzung
Ein Kind erzählte in der Gruppe, dass sein Opa einen Tisch gebaut habe und es mithelfen durfte. Den anderen Kindern gefiel die Geschichte und als die Erzieherin fragte, ob sie das auch könnten, entstand umgehend ein kleiner Tisch aus Legosteinen. Das war ein erster Beweis, doch letztlich nur der Anfang des Tischbau-Projekts. Die Mädchen und Jungen beschäftigten sich schnell mit praktischen Fragen: Aus welchem Material baut man einen Tisch? Wie viele Beine braucht er, um stabil zu stehen? Wie viele Kinder sollen daran Platz finden?

Die Tischkonstruktion – Messen ohne Zollstock
Die meisten Kinder waren vier Jahre und konnten weder lesen noch schreiben, auch hatten sie bisher nicht mit Messwerkzeugen gearbeitet. Daher stand die Beschäftigung mit mathematischen Grundkompetenzen im Mittelpunkt: Wie misst und vergleicht man Längen ohne Metermaß? Welche Formen gibt es? Wie schwer darf ein Tisch überhaupt werden? Und wie zeichnet man ein Modell, damit alle wissen, wie der Tisch aussehen soll?

Angewandte Forschung: Baumaterialien im Praxistest
Die Kinder lernten verschiedene Materialien kennen und prüften Pappe, Holz und Stein auf ihre Stabilität und Alltagstauglichkeit. Glas schied aus – es kann splittern, das war zu gefährlich. Stein war zu schwer und schwierig zu bearbeiten. Holz schien allen geeignet. Der Hausmeister besprach mit den Kindern ihre Ideen, gab Tipps für die Umsetzung und unterstützte sie bei der Verwendung von Schrauben, Säge, Holzschutzfarbe und Fliesenkleber. Auch die Eltern und Großeltern nahmen großen Anteil an dem Bauprojekt und unterstützten es mit Materialspenden. Die Tischplatte sollte mit einem Mosaikmuster besonders schön gestaltet werden: Bunter Fliesenbruch wurde aufgeklebt und anschließend poliert. Am Ende hatten die Kinder einen echten Tisch gebaut. Die Eltern und pädagogischen Fachkräfte waren sich einig: Es ist ein ganz besonders schöner Tisch geworden.

Handwerkliches Arbeiten war auch Teamarbeit
Das Tischbau-Projekt ist ein vielseitiges Kooperationsprojekt geworden: Die Kinder mussten Vorstellungen entwickeln und artikulieren, sich mit anderen abstimmen, eigenständiges Handeln üben und praktikable Lösungen für viele Herausforderungen finden. Die kleinen Handwerkerinnen und Handwerker werden durch ihr Werkstück immer daran erinnert, was sie in dem Projekt erarbeitet haben. „Für die einzelnen Kinder bedeutet der Tisch viel. Sie sind stolz, dass sie diese Aufgabe zusammen geschafft haben“, erzählt Erzieherin Doreen Göttling.

Welche Kompetenzen wurden hier gefördert?

Ein Möbelstück selbst zu fertigen, macht stolz und fördert Selbstvertrauen. Von der Planung über die Umsetzung mit Messen oder Winkel Bestimmen werden grundlegende mathematische Fähigkeiten erworben. Der Bau erfordert gerade von jüngeren Kindern grob- wie feinmotorische Kompetenzen. Schrauben, Polieren und andere handwerkliche Tätigkeiten müssen mit richtigem Krafteinsatz, fachgerechter Handhabung und Konzentration ausgeführt werden. Mit gegenseitiger Hilfe und Teamgeist gelingt ein solches Projekt. Einmal Feuer gefangen, lassen sich viele Dinge aus Holz und anderen Materialien herstellen. Vielleicht inspiriert ein Besuch in einem Baumarkt zum Bau einer Kugelbahn oder eines Puppenhauses, das mit neu erworbenem Wissen über Strom sogar beleuchtet werden kann.

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