Was ist das „Haus der kleinen Forscher"?
Wo ist das „Haus der kleinen Forscher"?
Wie wird die Stiftung „Haus der kleinen Forscher" finanziert?
Wie unterstützt die Stiftung die lokalen Netzwerke?
Für welche Kitas/Kindergärten und Vorschuleinrichtungen ist das Programm geeignet?
Gibt es Vorbilder für das „Haus der kleinen Forscher"?
Nach welchem pädagogischen Konzept arbeitet die Stiftung?
Wie viel Personal hat die Stiftung „Haus der kleinen Forscher"?
Wie ist die Situation der frühkindlichen Bildung in Deutschland?
Welche Defizite gibt es bei der frühkindlichen Bildung?
Ist Musik- und Sprachförderung nicht genauso wichtig?
Warum gibt es Handlungsbedarf bei der frühkindlichen Bildung?
Brauchen wir Leistungsdruck schon in Kitas und Kindergärten? Wird Kindern die Kindheit weggenommen?
Warum sind gerade Naturwissenschaften in der frühkindlichen Bildung wichtig?
Wie wird die pädagogische Qualität des Programms sichergestellt?
An wen wendet sich die Stiftung ?
Die gemeinnützige Stiftung „Haus der kleinen Forscher" ist eine gemeinsame Initiative von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik unter Schirmherrschaft der Bundesministerin für Bildung und Forschung Dr. Annette Schavan. Träger der neuen Bildungsoffensive für Kitas und Kindergärten sind die Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren, die Unternehmensberatung McKinsey & Company, die Siemens Stiftung sowie die Dietmar Hopp Stiftung.
Ziel der Stiftung ist es, die alltägliche Begegnung mit Naturwissenschaften und Technik dauerhaft in allen Kitas zu verankern. Das „Haus der kleinen Forscher" setzt hierbei auf die Kompetenz der Erzieherinnen und Erzieher, unterstützt sie in ihrer Arbeit und bindet die Eltern ein. Die Kinder sollen sich jedoch nicht nur für die Beschäftigung mit naturwissenschaftlichen und technischen Phänomenen begeistern, sondern auch ihre Sprach-, Lern- und Sozialkompetenz sowie motorische Fähigkeiten entwickeln.
Das „Haus der kleinen Forscher" ist auf nachhaltige Arbeit ausgelegt. Sie leistet einen Beitrag zur Stärkung der frühkindlichen Bildung und zur langfristigen Nachwuchssicherung in den Natur- und Ingenieurwissenschaften.
Die Bundesgeschäftsstelle der Stiftung hat ihren Sitz in Berlin. Dort startete Ende 2006 eine Pilotphase, an der rund 100 Erzieherinnen und Erzieher aus 53 Einrichtungen mit mehr als 5.000 Kindern teilnahmen. Anschließend wurde das Angebot der Stiftung auf alle Bundesländer ausgedehnt.
Ein Gebäude, das sich "Haus der kleinen Forscher" nennt, gibt es nicht. Allerdings können sich einzelne Kitas "Haus der kleinen Forscher" nennen, wenn sie erfolgreich naturwissenschaftlich-technische Bildung vermitteln.
Die Kooperationspartner Helmholtz-Gemeinschaft, McKinsey, Siemens Stiftung sowie Dietmar Hopp Stiftung finanzieren die Stiftung "Haus der kleinen Forscher" gemeinschaftlich. Gefördert wird sie darüber hinaus vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.
Generell gilt: Das „Haus der kleinen Forscher" ist nicht-kommerziell und verfolgt nicht die Absicht, Gewinne zu erzielen. Die Angebote des „Hauses der kleinen Forscher" sind grundsätzlich kostenlos. Um den lokalen Netzwerken die Arbeit zu erleichtern, haben diese die Möglichkeit, für ganztägige Workshops einen Materialkostenbeitrag in Höhe von maximal 15 Eur pro Person, für halbtägige Workshops in Höhe von 10 Eur pro Person zu erheben.
Die Koordinatoren der lokalen Netzwerke erhalten einen Leitfaden, der alle wesentlichen organisatorischen Aufgaben beschreibt. Ergänzt wird dieser mit einer CD, die zahlreiche nützliche Brief- und Kopiervorlagen sowie Bestellformulare für Lehrmaterialien enthält.
Alle teilnehmenden Kitas erhalten kostenlos eine „kleine Forscherbox" sowie regelmäßig ergänzte Experimentierkarten. Ein Kartensatz gehört jeweils zu einem Thema. Kitas können die Karten kostenlos über die lokalen Netzwerke beziehen, wenn sie Feedback zum vorherigen Thema geben.
Außerdem bietet das „Haus der kleinen Forscher" kostenlose Schulungen für die Trainer der lokalen Netzwerke und stellt ihnen Poster als Unterrichtsmaterialien zur Verfügung.
Schließlich sorgt die Stiftung für bundesweite Öffentlichkeitsarbeit zur frühkindlichen naturwissenschaftlichen Bildung und unterstützt die lokalen Netzwerke damit bei der gesellschaftlichen Verankerung ihrer Arbeit und bei der Gewinnung von Sponsoren.
Die Stiftung lädt ein, aktiv an der Förderung frühkindlicher Bildung mitzuwirken und ein lokales Netzwerk aufzubauen. Das Netzwerk ermöglicht dann Kindern in der Region die Begegnung mit Naturwissenschaften und Technik. Wenn Sie Interesse haben, senden Sie einfach eine E-Mail an info [at] haus-der-kleinen-forscher.de.
Das Programm ist für alle interessierten Kitas, Kindergärten und Vorschuleinrichtungen zugänglich.
Entwickelt wurde es für Drei- bis Sechsjährige, viele Versuche sind aber auch für noch jüngere Kinder geeignet. Sämtliche Elemente sind mit geringem Aufwand in der täglichen pädagogischen Praxis der Einrichtungen realisierbar.
Bei der Entwicklung seiner Konzepte hat das „Haus der kleinen Forscher" die Erfahrungen anderer Initiativen berücksichtigt. Dazu zählen „Naturvetenskap och teknik för alla" in Schweden, das „Education Development Center" in den USA oder „La main à la pâte" in Frankreich.
Die Angebote der Stiftung „Haus der kleinen Forscher" zielen auf die Entwicklung einer positiven Einstellung zu Naturwissenschaft und Technik, die durch Spaß, Freude, Neugier und Begeisterung geprägt ist und auf die allgemeine Kompetenzentwicklung von Kindern.
Mehr Informationen unter Pädagogischer Ansatz.
Rund 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verwirklichen von Berlin aus die Ziele der Stiftung auf Bundesebene.
In den vergangenen 15 Jahren wurde erheblich in den quantitativen Ausbau der Kindertagesbetreuung investiert. So erhalten die Kommunen seit der Verabschiedung des Tagesbetreuungsausbaugesetzes (TAG) im Januar 2005 jährlich 1,5 Mrd. EUR.
Knapp 382.500 Personen sind in Kindertageseinrichtungen beschäftigt (Stand 2008, Quelle: Statistiken der Kinder- und Jugendhilfe, Statistisches Bundesamt). Diese verteilen sich wie folgt:
Insgesamt gibt es in Deutschland knapp 49.800 Tageseinrichtungen für Kinder mit insgesamt rund 3,27 Mio. genehmigten Plätzen (Stand 2008, Quelle: Statistiken der Kinder- und Jugendhilfe, Statistisches Bundesamt).
Dennoch ist die Zahl der Kita-Plätze nicht ausreichend. Deutschland gibt zu wenig aus für frühkindliche Betreuung, Bildung und Erziehung. Hier einige Zahlen zum Vergleich:
(Quelle: OECD Country Profiles, 1997 - 2000, aus "Eine Chance für Neugier", eine Veröffentlichung von McKinsey)
Die EU-Kommission und das Childcare Network der OECD empfehlen, 1% des BIP in frühkindliche Bildung zu investieren – private und öffentliche Hand zusammen gerechnet.
Der Bildungsauftrag von Kitas steht noch immer zu sehr im Schatten des Betreuungsauftrags. Häufig sehen wir sie in erster Linie als Einrichtungen, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für die Eltern sichern. Der eigenständige Bildungsauftrag von Kindertageseinrichtungen wird dagegen noch nicht ausreichend anerkannt und gefördert – Entwicklungs- und Bildungschancen werden dadurch vernachlässigt.
In den vergangenen Jahren haben zwar alle Bundesländer Bildungspläne verabschiedet, die jedoch in unterschiedlichem Maße konkret und verbindlich sind. Zudem ist es noch immer eine ungelöste Aufgabe, diesen Bildungsauftrag in der Praxis von mehr als 45.000 Kitas umzusetzen und die Erzieherinnen und Erzieher auf ihre veränderten Aufgaben vorzubereiten. Das „Haus der kleinen Forscher" leistet einen kleinen Beitrag zur Lösung dieser Aufgabe.
Auch die Qualität der Erzieherausbildung ist in Deutschland im internationalen Vergleich unangemessen. Wachsende Anforderungen an das pädagogische Personal (Bildungsinhalte, Elterneinbindung, Entwicklungspsychologie, Diagnostik) schlagen sich noch nicht in der Ausbildung nieder. Nur 3% des Personals in Vorschuleinrichtungen haben einen (Fach-) Hochschulabschluss. Ferner gibt es kein systematisches Weiterbildungssystem und vielfach auch nur geringe Budgets für die Weiterbildung. In der Regel haben die Erzieherinnen und Erzieher auch nur wenig Entwicklungs- und Aufstiegs-möglichkeiten. Zugleich wird ihre Arbeit nicht angemessen bezahlt und zu wenig anerkannt.
Ein weiteres Defizit der frühkindlichen Bildung in Deutschland ist die mangelnde Qualitätssicherung in Kindertageseinrichtungen, vor allem die unzureichende Definition von Mindeststandards sowie das Fehlen von Mechanismen zur Sicherstellung einer Mindestqualität.
In einem umfassenden frühkindlichen Bildungsverständnis kann die naturwissenschaftliche Bildung natürlich nur ein Teil sein. Allerdings befruchten sich verschiedene Lernthemen gegenseitig, beispielsweise erwerben die Kinder beim Experimentieren auch allgemeine Kompetenzen:
Regelmäßiges Experimentieren ist für jede Kita eine Bereicherung. Auch wenn eine Kita den Schwerpunkt beispielsweise auf Musikerziehung legt, schließt dies eine Beteiligung an der Initiative "Haus der kleinen Forscher" keineswegs aus.
Einen Bildungsbereich gegen die anderen ausspielen zu wollen, wäre also sicherlich nicht im Sinne einer guten frühkindlichen Förderung. Zu Recht sehen die Bildungspläne der Bundesländer unterschiedliche Bildungsbereiche vor, die inzwischen für die Kitas verpflichtend sind. Es geht nicht um eine isolierte Behandlung naturwissenschaftlicher Fragen, sondern um eine umfassende Förderung der kindlichen Talente.
Schon vor der Einschulung werden wichtige Grundlagen für den späteren Schulerfolg geschaffen. Solche Vorläuferkompetenzen sind für den Schulerfolg entscheidend, werden aber immer weniger vermittelt.
So hat ein Kind aus sozial schwachem Umfeld mit seinen Eltern bis zu seiner Einschulung durchschnittlich 25 Stunden mit Bilderbüchern verbracht. Ein Kind aus der Mittelschicht erreicht hingegen 1.000 bis 1.700 Stunden. Dies beeinflusst sprachliches Verständnis und Fantasie der Kinder stark.
Nach Ansicht von Bildungsforschern können Kitas und Kindergärten Defizite bei Kindern aus sozial schwachen Elternhäusern mindern, siehe zum Beispiel M. Ulich: "Lust auf Sprache. Sprachliche Bildung und Deutsch lernen in Kindertageseinrichtungen" oder M. Adams: "Beginning to read: Thinking and learning about print".
Wenn wir heute nicht in den Kitas handeln, fehlen morgen qualifizierte Schulabgängerinnen und -abgänger für die berufliche Ausbildung und Abiturientinnen und Abiturienten für die Hochschulausbildung.
Das System frühkindlicher Bildung ist also nicht nur qualitativ und quantitativ defizitär. Es erreicht auch insbesondere diejenigen nicht, die davon besonders profitieren würden: Kinder aus bildungsfernen Schichten.
Kinder entdecken mit großer Neugier ihre Umgebung, insbesondere Natur und Technik. Anschauliche Experimente sind ein hervorragendes Mittel, dieses Interesse wachzuhalten. Spielen und Lernen sind dabei eng miteinander verknüpft. Leistungsdruck und Verschulung werden vermieden, wenn die Naturphänomene erlebt, im Spiel erfahren und nicht eingeübt oder geprüft werden. Das aber ist genau der Ansatz des "Hauses der kleinen Forscher".
Naturwissenschaften ermöglichen Erkenntnisse über Vernetzung und Zusammenhänge, die eine differenzierte Einsicht in die Prozesse der Welt vermitteln. Solche Erkenntnisse fördern eine selbstverantwortliche Gestaltung der zukünftigen Lebensbedingungen.
Naturwissenschaftliche Kenntnisse sowie die Deutung von Phänomenen stärken die Entwicklung von Schlüsselqualifikationen wie Problemlösungsorientierung und ganzheitliche Wahrnehmungsfähigkeit. Naturwissenschaften unterstützen den Entwicklungsprozess der Kinder bei der "Aneignung der Welt".
In der praktischen Umsetzung besteht allerdings noch großer Handlungsbedarf, da Naturwissenschaft und Technik erst sehr spät in die Ausbildung der Erzieherinnen und Erzieher integriert wurden. Diese Lücke will die Initiative "Haus der kleinen Forscher" schließen.
Auch die Schule beginnt spät, Naturwissenschaften zu lehren – laut der PISA-Studie schneiden deutsche Schülerinnen und Schüler auf diesem Gebiet nur mittelmäßig ab.
Mit dem Schwerpunktgebiet Naturwissenschaften bestand bei PISA 2006 erstmals die Möglichkeit, die naturwissenschaftlichen Kompetenzen der Jugendlichen differenzierter abzubilden. Das Leistungsspektrum der OECD-Staaten erstreckt sich von einem Mittelwert von 410 Punkten (Mexiko) bis zum Spitzenplatz, den mit 563 Punkten Finnland belegt. Die Schülerinnen und Schüler in Deutschland erreichen 516 Punkte und liegen damit nur leicht über dem OECD-Durchschnitt von 500 Punkten.
Die Testwerte stellen Deutschland vor weitere Herausforderungen. Den Maßstab setzt Finnland, das demonstriert, welches naturwissenschaftliche Niveau Fünfzehnjährige erreichen können. Die Schülerinnen und Schüler dort liegen in ihrer Kompetenzentwicklung 1.5 bis 2 Jahre vor ihren Altersgenossinnen und Altersgenossen in Deutschland. Während im OECD-Durchschnitt 19.2 Prozent der Jugendlichen auf oder unter der ersten Stufe naturwissenschaftlicher Kompetenz liegen, beträgt dieser Anteil in Deutschland 15.4 Prozent. Geht man davon aus, dass die Prognosen für die weitere berufl iche und schulische Zukunft bei einem entsprechenden Kompetenzniveau sehr ungünstig sind, ist dieser Anteil immer noch zu hoch.
Besonders relevant werden diese Zahlen in Bezug auf den in Deutschland vorherrschenden Fachkräftemangel in naturwissenschaftlichen und technischen Berufen. Schon heute fehlen jährlich rund 60.000 Fachkräfte. Diese Zahlen werden sich nach einer Prognose des BDA in den kommenden Jahren potenzieren.
Durch frühe spielerische Beschäftigung mit dem Thema können Kitas Barrieren abbauen und Möglichkeiten für die Entwicklung der Kinder erschließen. Hierbei sind es insbesondere anschauliche Experimente, die einen nachhaltigen Eindruck auf Kinder machen. Sie sind häufig mehrere Monate später noch in der Lage, sich an das jeweilige Experiment detailliert zu erinnern.
Das besondere Interesse an Naturphänomenen in diesem frühen Alter zeigt sich in einer Umfrage unter Naturwissenschaftlern. Jeder Vierte nannte als Grundstein seiner Begeisterung für die Materie ein Erlebnis aus der frühen Kindheit.
Quellen
Studierendenbefragung an der Universität Bielefeld im Fach Chemie
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
MINT Zukunft e.V.
Ein wissenschaftlicher Beirat begleitet die Arbeit der Stiftung.
Das „Haus der kleinen Forscher" will Erzieherinnen und Erzieher in Kindertagesstätten und Kindergärten motivieren, die Beschäftigung mit naturwissenschaftlichen und technischen Fragen besser in die tägliche pädagogischen Praxis zu integrieren. Weitere Zielgruppen sind Eltern, potenzielle Patinnen und Paten sowie mögliche Partner für die regionalen Netzwerke.
Die Stiftung bietet Fortbildungsveranstaltungen und Workshops, Lehr- und Arbeitsmaterialien für das pädagogische Fachpersonal in Kitas, eine umfangreiche Internetplattform sowie den bundesweiten Aktionstag „Tag der kleinen Forscher". Teilnehmende Kitas können die Plakette "Haus der kleinen Forscher" erhalten, wenn sie erfolgreich naturwissenschaftlich-technische Bildung vermitteln. Die Auszeichnung gilt für zwei Jahre und kann verlängert werden.