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Praxisprojekt "Eisige Zeiten"
Vorlesegeschichte: Isi auf weiter Reise

Die Geschichte bietet Kindern auf unterhaltsame Weise die Gelegenheit, verschiedene Aggregatzustände eines Wassertropfens kennenzulernen.

Der Wassertropfen Isi gehörte zu den letzten in der Pfütze. Seit Tagen hatte die Sonne geschienen und es wurde immer wärmer. Durch die Hitze bewegten sich die kleinen Teilchen, aus denen Isi bestand, immer schneller. Ein Teilchen nach dem anderen wurde mit der Luft vom Wind davongetragen. Auch Isi fühlte sich immer leichter, bis sie schließlich mit all ihren verbliebenen Teilchen abhob und als unsichtbares Dampfwölkchen zum Himmel schwebte. Ihr wurde ganz schwindelig. „Ach ja, so fühlt sich verdunsten an“, dachte Isi und sah ängstlich nach unten. Immer höher ging es in die Lüfte. Die Bäume, die Häuser, die Straßen: Alles wurde immer kleiner, je weiter sie nach oben stieg.

Isi war ein bisschen mulmig zumute. Was wäre, wenn es plötzlich kälter würde und sie wieder ihre alte flüssige Form annehmen müsste? Aus vielen tausend Metern als Regentropfen auf den harten Asphalt aufkommen – das gäbe einen ziemlichen Platsch.

Doch als sie oben am Himmel angekommen war, verflogen die düsteren Gedanken. Denn nach und nach traf sie ihre Freunde aus der Pfütze wieder. Die anderen hatten sich schon längst ans Schweben gewöhnt und freuten sich über die tolle Aussicht. Sie kuschelten sich aneinander und ließen sich vom Wind treiben.

Von unten sahen Isi und ihre Freunde aus wie eine große, lustig geformte Wolke. Nein, halt! Sie sahen nicht nur so aus. Sie waren ja tatsächlich eine Wolke.

Tagelang segelten die Freunde dahin, bildeten immer wieder neue Formen und hatten eine Menge Spaß. Dabei merkten sie gar nicht, dass der Wind sie immer weiter nach Norden trieb. Bald waren sie in einer Gegend angekommen, in der nicht mehr Sommer, sondern Winter war. Die Wassertropfen fröstelten und begannen schon zu schrumpfen. Isi jammerte: „Wenn ich doch wenigstens einen Fallschirm hätte, dann müsste ich jetzt nicht Hals über Kopf in die Tiefe stürzen!“

Eisblumen
Eisblumen an einer Fensterscheibe © Lordnikon, wikimedia

Isi sackte von Minute zu Minute weiter ab und machte sich auf das Schlimmste gefasst. Die Kälte wurde immer ärger. Doch da passierte auf einmal etwas Seltsames. Es war so kalt, dass Isi ein Kribbeln fühlte. Etwas Merkwürdiges ging in ihr vor: Sie verformte sich zu einem sechseckigen Stern, zu einem Eiskristall. Ehe Isi sich versah, hatte sie sich in eine Schneeflocke verwandelt.

Nun wurde ihr klar, dass sie keine Angst mehr zu haben brauchte. Als Schneeflocke schwebte sie ganz sachte vom Himmel zur Erde. Kurz bevor sie den Boden erreichte, erfasste sie ein Windhauch und drückte sie ganz sanft gegen eine Fensterscheibe. Dort blieb sie hängen und konnte sich in der Gegend umschauen: Alles lag unter einer friedlichen Schneedecke, und glitzernde Schneekristalle hingen an den Bäumen. Durch das Fenster sah Isi, wie zwei Kinder in einer gemütlichen Küche saßen und spielten, während ihre Mutter einen leckeren Kuchen in den Backofen schob. Ach, wie haben die es gut!

Nach einiger Zeit ließ die Wärme aus der Wohnung Isi wieder auftauen. Sie begann, als Wassertropfen langsam die Scheibe hinunterzufließen und gelangte so in den Garten. „Geschafft!“, dachte sie erleichtert, „jetzt versickere ich aber erstmal tief im Boden, damit ich nicht gleich wieder verdunste, wenn es wieder wärmer wird.“

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