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Praxisbericht

Eine Kita auf ihrem Weg zu mehr Nachhaltigkeit

Die Stiftung hat ihr Angebot um Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) erweitert und hat dazu erstmals auch spezielle Angebote für Kita-Leitungen entwickelt. Sandra Amon aus Bayern, Leiterin der Städtischen Kita Sattlertor in Forchheim, berichtet von ihren Erfahrungen mit BNE.

Kindergruppe betrachtet eine Heizungsanlage
Die Kinder erkunden den Heizraum der Kita. (c) Stiftung Haus der kleinen Forscher/Christoph Wehrer

„Das Thema Nachhaltigkeit war bei uns wie ein Stein, der ins Wasser geworfen wird und immer weitere Kreise zieht“, erinnert sich Sandra Amon. Sie hat in ihrer Einrichtung Bildung für nachhaltige Entwicklung seit Jahren fest verankert. Einen ersten Anstoß nahm Sandra Amon aus einer Fortbildung für Kita-Leitungen zur Bildung für nachhaltige Entwicklung mit. „Dabei wurde mir bewusst, dass vieles, was zu Nachhaltigkeit gehört, bei uns in der Einrichtung schon verwurzelt ist. Wir hatten das bis dahin eher als nebensächlich behandelt, dabei konnte man noch so viel mehr daraus machen“, erzählt sie weiter.

Sonne aus der Steckdose?

Aus der BNE-Fortbildung brachte sie viele Ideen mit in ihr Team – und der Funke sprang schnell über. "Alle hatten Lust. Wir trauten uns an das Thema Sonne unter ganz neuen Gesichtspunkten heran. Wir wollten nicht mehr nur Fensterbilder basteln, sondern mit den Kindern herausfinden: Wo steht die Sonne wann im Tagesverlauf? Wofür brauchen wir sie? Was hat sie mit unseren Steckdosen zu tun?" Der anstehende Kita-Neubau war eine große Chance, das Wissen und die Ideen zum Thema Nachhaltigkeit, die sich während verschiedener Projekte entwickelten, noch fester zu verankern.

Viele kleine Schritte

"Eigentlich besteht die Nachhaltigkeit aus ganz vielen Kleinigkeiten", erzählt Sandra Amon. "Zum Beispiel haben wir eine Zeit lang viel über unseren Nachtisch nachgedacht: Ab und zu gibt es Eis am Stiel. Wir haben zusammen mit den Kindern überlegt, was ist nachhaltiger: Sollen wir uns das Eis einzeln verpackt am Stiel liefern lassen? Sollen wir besser große Packungen einkaufen? Dann entsteht weniger Müll, aber wir müssen Schälchen spülen und verbrauchen Wasser und Energie. Am Ende haben wir uns auf große Packungen und Eiswaffeln geeinigt."
Solche Abwägungen waren immer wieder wichtig, um über viele kleine und manchmal auch größere Maßnahmen zu entscheiden, die zusammengenommen die Kita zu einer nachhaltigeren Einrichtung machen.

Beispiele zum Nachmachen aus der Kita Sattlertor

Für Nachhaltigkeit gibt es nicht die eine, richtige Lösung. Es geht darum, Schritt für Schritt machbare Lösungen zu finden, zum Beispiel:

  • Ökostrom nutzen
  • Obst und Gemüse für Mittagessen und Pausensnacks von regionalen Bauern beziehen
  • Kräuter und Obst im eigenen Garten anbauen
  • Weltkarte mit verschiedenen Flaggen und den Worten „Herzlich willkommen“ in verschiedenen Sprachen im Eingangsbereich, um Kinder und Eltern aus allen Nationen willkommen zu heißen
  • Heraklitplatten für bessere Akustik einbauen
  • Regenwasser nicht in der Kanalisation, sondern in der Wiese versickern lassen
  • Neubau unter anderem mit unbehandelten Lehmputzwänden für ein besseres Raumklima und mit optimierter Fenstergestaltung, sodass wenig Strom für Licht gebraucht wird
  • Holzoberflächen offenporig mit Ölen statt mit Lack behandeln
  • Möbel teilweise bei ortsansässigen Firmen aus regionalem Holz bauen lassen

Nachhaltig ist, wenn alle mitmachen dürfen

Icon Bildung für nachhaltige Entwicklung

"Die Beteiligung von Kindern, Eltern und Mitarbeiterinnen bei der Planung und Gestaltung des Neubaus war uns sehr wichtig", berichtet Sandra Amon. Damit wurde ein zentraler Gedanke von BNE umgesetzt, nämlich die Partizipation aller, die von einem Ereignis betroffen sind. Alle 140 Mädchen und Jungen überlegten von Anfang an mit, wie sie sich ihre Kita vorstellten, malten Bilder und Wunschlisten, wie die Räume am besten aufgeteilt und eingerichtet werden könnten. Sie besuchten die Baustelle immer wieder und erfuhren dabei viel darüber, wie Strom fließt, wo Rohre sind und wie eine Toilette gebaut wird.

Und was sagen die Eltern dazu?

"Nachhaltigkeit schwingt immer mit, auch wenn sie nicht immer im Vordergrund steht. Natürlich tragen die Kinder das dann auch nach Hause und fragen zum Beispiel beim Einkaufen 'Wo kommen die Äpfel her?' oder bitten ihre Eltern, den Laptop richtig auszuschalten", berichtet Sandra Amon. "Nachhaltigkeit ist für uns kein Projekt, das irgendwann zu Ende geht, sondern wird jeden Tag gelebt."

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