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Quelle: Deutsche Telekom Stiftung

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Dr. Klaus Kinkel (Quelle: Deutsche Telekom Stiftung)

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Prof. Jürgen Mlynek (Quelle: Deutsche Telekom Stiftung)

Gemeinsam voran: Die Vernetzung mit der Deutschen Telekom Stiftung schafft Synergien

Die frühe naturwissenschaftliche und technische Bildung in Deutschland gemeinsam voranbringen – das ist das Ziel der Kooperation von Deutsche Telekom Stiftung und der Stiftung „Haus der kleinen Forscher“. Seit dem Frühsommer bündeln die Partner ihre Kompetenzen und Netzwerke zur Aus- und Weiterbildung von elementarpädagogischen Fachkräften und Multiplikatoren in diesem Feld. Im Interview erläutern Dr. Klaus Kinkel, Vorsitzender der Deutsche Telekom Stiftung, und Professor Jürgen Mlynek, Vorstandsvorsitzender der Stiftung „Haus der kleinen Forscher“, Einzelheiten und Ziele der Zusammenarbeit.

Herr Kinkel, Herr Mlynek, wie haben Sie Mathematik, Naturwissenschaften und Technik in Ihrer eigenen Kindheit erlebt? 

KINKEL: Ich habe in meiner Heimatstadt Hechingen das Staatliche Gymnasium besucht, das stark mathematisch-naturwissenschaftlich orientiert war. Ich bin also früh mit den Themen in Kontakt gekommen, die heute die Stiftungsarbeit prägen. Ich bin immer stärker überzeugt davon, dass mathematisch-naturwissenschaftlich-technische Kompetenzen zu den Grundkompetenzen gehören, die wir für die wirtschaftlich-technologische Entwicklung unserer Gesellschaft brauchen. Das gilt besonders für das Land der Ingenieure, aber vor allem auch vor dem Hintergrund der zunehmenden Technologisierung unserer Welt. 

MLYNEK: Ich habe ein naturwissenschaftlich-neusprachlich ausgerichtetes Gymnasium besucht und in der Oberstufe einen hervorragenden Physik-Lehrer gehabt, dessen Begeisterung für Naturwissenschaften, Technik und das Experimentieren sich auf mich übertragen hat. 

Heute haben die MINT-Fächer einen hohen Stellenwert. Allerdings gibt es gerade in der frühen MINT-Bildung hierzulande noch großen Aufholbedarf. Warum ist aber genau die wichtig für den weiteren Lebensweg? 

MLYNEK: Tatsächlich lernen wir aus vielen Biografien von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, dass sie ihre Faszination für Naturwissenschaften bereits in früher Kindheit entdeckt haben. Aus meiner Sicht stecken darin zwei Aufgaben: Wir müssen Bildungsangebote so anlegen, dass Kinder schon früh die Chance erhalten, ihren Interessen nachgehen zu können. Und wir müssen allen Kindern die Möglichkeit geben, ihre schlummernden Talente entdecken zu dürfen. Denn zum einen können und wollen wir in unserer Gesellschaft auf kein Talent verzichten. Zum anderen wünschen wir uns mehr junge Menschen, die diese Fächer zu ihrem Beruf machen – in Handwerksberufen, Ingenieurwissenschaften und den naturwissenschaftlichen akademischen Berufen fehlen uns schon heute Nachwuchskräfte. 
Um dieses Ziel zu erreichen, brauchen wir bereits im Kindergarten gut ausgebildete Fachkräfte, die den Kindern zeigen, dass diese Fachbereiche spannend sind und es mit kindlicher Neugier viel zu entdecken gibt. Mit dem „Haus der kleinen Forscher“ wollen wir also nicht zuletzt die Qualifizierung der Kita-Fachkräfte in diesen Bereichen unterstützen.

Wo genau hakt es in den Kitas? Fehlt die Motivation der Pädagogen oder mangelt es den Fachkräften schlicht an Erfahrung? 

KINKEL: An der Motivation liegt es definitiv nicht. Es gibt kaum eine Berufsgruppe, die so sehr daran interessiert ist, dazu zu lernen, wie Erzieherinnen und Erzieher. Sie engagieren sich immens und opfern sogar viel Freizeit, um Fort- und Weiterbildungen zu besuchen. Der Knackpunkt ist aber, dass gerade die Beschäftigung mit MINT-Themen ein relativ neues Feld für die Fachkräfte ist. Es gab bisher keine praktischen Hilfen in hoher Qualität, um diese Themen nachhaltig in den Kita-Alltag – und damit in die tägliche pädagogische Arbeit – zu integrieren. Wir haben daher das Projekt „Natur-Wissen schaffen“ unter Leitung von Professor Fthenakis aufgesetzt, das sich genau darum kümmert, eine sehr erfolgreiche Fachbuchreihe entwickelt hat und Multiplikatorenschulungen anbietet. 

Wie werden Sie gemeinsam die frühe naturwissenschaftlich-technische Bildung in Deutschland voranbringen? 

KINKEL: Zunächst einmal ganz einfach, indem wir zusammenarbeiten und unsere Kräfte bündeln. Je mehr Akteure in der frühen Bildung unterwegs 
sind und Synergieeffekte erzielen, umso besser. Und wenn die Aktivitäten dann noch so strukturiert umgesetzt werden wie in unserem Fall, ist das noch besser. Es geht uns beiden im Prinzip darum, die Erzieherinnen und Erzieher bei ihrem Bildungsauftrag wirkungsvoll zu unterstützen. Die Telekom-Stiftung tut das für die Themen Mathematik, Naturwissenschaften, Technik und die frühe Medienbildung. Die Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ konzentriert sich bisher primär auf Naturwissenschaften und Technik. 

MLYNEK: Die Ansätze, die dabei von beiden Partnern verfolgt werden, ergänzen sich ideal: Während die Telekom-Stiftung sich mit „Natur-Wissen schaffen“ auf die pädagogisch-didaktische Fundierung konzentriert, setzt die Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ diese Inhalte in praktischen Fortbildungs- Angeboten für Erzieherinnen und Erzieher um. Dieses Konzept erlaubt es, naturwissenschaftliche und technische Fragestellungen in die laufende Projektarbeit in Kitas zu integrieren. Die vielfältigen Experimentierideen, die wir in den Workshops anbieten, bilden dabei das Herzstück. Denn am Experiment lassen sich pädagogische und naturwissenschaftliche Kenntnisse gleichermaßen vertiefen. 

Wie bringt sich die Deutsche Telekom Stiftung ein, Herr Kinkel? 

KINKEL: Unser Projektteam „Natur-Wissen schaffen“ schult heute schon bundesweit Multiplikatoren auf Grundlage der im Projekt entwickelten Fachbuchreihe. Zusätzlich geschult werden jetzt auch rund 400 Trainer der Stiftung „Haus der kleinen Forscher“, die über eigene lokale Netzwerke den Kita-Fachkräften naturwissenschaftliche und technische Kompetenzen vermitteln. Darüber hinaus haben wir die Experimentierkarten, die vom „Haus der kleinen Forscher“ für die Kita-Praxis entwickelt wurden, als Beispiele guter Praxis in unsere Schulungsunterlagen „Natur-Wissen schaffen“ integriert. 

Und das Haus der kleinen Forscher, Herr Mlynek? 

MLYNEK: Unsere Trainerinnen und Trainer werden in Zukunft von den pädagogisch-didaktischen Erkenntnissen aus „Natur-Wissen schaffen“ profitieren und dieses Wissen über die Workshops an die Kita-Fachkräfte weitergeben. Die Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ erreicht mit ihren Fortbildungen derzeit rund 13.000 Kitas im gesamten Bundesgebiet. Mindestens zwei Fachkräfte aus jeder Einrichtung haben das Konzept des „Hauses der kleinen Forscher“ kennengelernt. Diese Fachkräfte erhalten im Anschluss an ihre Weiterbildung „Kleine-Forscher-Boxen“ mit umfangreichen Arbeitsunterlagen für die Umsetzung in der Kita-Praxis. Zusätzlich werden wir 10.000 Bände „Frühe naturwissenschaftliche Bildung“ aus der Fachbuchreihe der Telekom-Stiftung in unserem Netzwerk streuen. 

Zwei etablierte Stiftungen arbeiten zusammen: Was dürfen wir in Zukunft von der Kooperation erwarten? 

KINKEL: Im Rahmen der Zusammenarbeit planen wir, neue Ideen und Konzepte zur frühen naturwissenschaftlichen Bildung zu entwickeln. In welche Richtung das geht, müssen wir sehen. 

MLYNEK: Gemeinsames Ziel ist es, Erzieherinnen und Erzieher bei der Umsetzung naturwissenschaftlicher und technischer Bildungsangebote in die Praxis zu unterstützen, damit die Inhalte der Bildungspläne in diesen Bereichen besser in den Kita-Alltag integriert werden können. Wir beim „Haus der kleinen Forscher“ haben außerdem den Übergang vom Kitaalter zu den Sechs- bis Zehnjährigen im Blick. Auch die Telekom Stiftung ist in diesem Feld schon unterwegs, so dass sich hier möglicherweise weitere gemeinsame Ansätze ergeben.

Das Interview stammt aus m.+b. Das Magazin für MINT-Bildung (Ausgabe 1-2010) 
der Deutsche Telekom Stiftung.

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