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BaWü / Hamburg / NRW / Sachsen

Ein Jahr Kita-Modellprogramm „KiQ – gemeinsam für Kita-Qualität“

Seit Herbst 2020 nehmen knapp 90 Kindertagesstätten aus vier Regionen Deutschlands am Kita-Modellprogramm „KiQ – gemeinsam für Kita-Qualität: Wenn Entdecken und Forschen zum Alltag werden“ teil. Mit dem vom Bundesbildungsministerium geförderten neuen Qualifizierungsprogramm erprobt die Stiftung "Haus der kleinen Forscher", wie Kita-Teams bei der Verankerung des entdeckenden und forschenden Lernens künftig noch effektiver unterstützt werden können. Eine Zwischenbilanz.

Eindrücke aus dem letzten Fortbildungs-Modul 3, das sowohl digital als auch vor Ort stattfand.

17. November 2021. Noch bis Mai 2022 läuft das Kita-Modellprogramm „KiQ“. Gerade sind die teilnehmenden Kitas in Hamburg, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen ins vorletzte vierte Fortbildungsmodul gestartet. Erfreulich: Schon jetzt zeichnen sich bei vielen teilnehmenden Einrichtungen – trotz der erschwerten, pandemischen Lage – Erfolge in der pädagogischen Arbeit mit den Kindern, in der Teamentwicklung und in der Elternarbeit ab.

„Mit ‚Tomati‘ entdecken wir die Welt der Tomaten“

Handpuppe "Tomati"
© SterniPark Kinderhaus Museumsplatz, Hamburg / Franziska Martens
Handpuppe "Tomati" unterstützt als Lernbegleitung

So auch im SterniPark Kinderhaus Museumsplatz in Hamburg-Harburg: Die Polarsterngruppe setzt die Anregungen, die Kitaleiterin Natalya Yanitzka und Erzieherin Franziska Martens aus dem „KiQ“-Modellprogramm mitbringen, zum Beispiel mit einem Tomatenprojekt in die Tat um. „Im Februar 2021 sind wir gestartet, im September haben wir mit den Kindern ein paar grüne Tomaten geerntet, diese in Papier gewickelt und beobachten nun gemeinsam, ob diese bald rot und reif werden. Wir sind gespannt, ob das Experiment gelingt“, sagt Franziska Martens. Zuvor haben die Kinder haben bereits spielerisch gelernt, wie man aus einer Tomate die Samen bekommt und pflanzt, dass die Tomate eine Beere ist, zur Familie der Nachtschattengewächse gehört und ursprünglich aus Südamerika kommt. Beim Entdecken und Forschen unterstützt Handpuppe „Tomati“, und auch die Eltern wurden mit eingebunden.

„Besonders schön war es, mitzuerleben, wie die Kinder über die letzten Monate mit allen Sinnen das Wachstum der Tomatenpflanze im Gruppenraum beobachtet haben. Entdecken und Forschen – wie im ‚KiQ‘-Programm gedacht – entwickelt Neugier“, freut sich Martens über die zugewonnenen Erfahrungen aus dem Kita-Modellprogramm. Die Kinder reagierten viel neugieriger und aufgeschlossener auf Neues in ihrer Umwelt.

„Über unser Kita-App informieren wir die Eltern über neues Entdeckermaterial“

Korb mit Aufgabenkarten zum Forschen drin, platziert auf einem Stuhl
© Kath. Kindergarten St. Josef / Birgit Mück
Entdeckerkorb mit Aufgabenkarten zum Entdecken und Forschen

Auch im Katholischen Kindergarten St. Josef in Schechingen (Ostwürttemberg) wird fleißig geforscht. Hier nehmen Einrichtungsleiterin Birgit Mück und Erzieherin Maike Pfisterer für das Team an der integrierten Fortbildungsreihe des „KiQ“-Programms teil. Als Tandem tragen beide die „KiQ“-Inhalte ins Team.

Ein sichtbares Ergebnis ihrer Programmteilnahme ist der „Entdeckerkorb“. Er wurde vor der Kita speziell für die Elternarbeit eingerichtet. „Hier stellen wir den Eltern und Kinder monatlich eine Forscheridee bzw. Entdeckeraufgabe zur Verfügung“, erklärt Birgit Mück. „Wir bereiten die Aufgabe vor und alle, die sie ausprobieren möchten, können sich eine Aufgabentüte aus dem Korb herausholen.“ Maike Pfisterer ergänzt: „Über unser Kita-App informieren wir die Eltern über neues Entdeckermaterial und stellen dort außerdem alle schriftlichen Dokumente dazu ein. Von den meisten Eltern wird dieses Angebot wertschätzend genutzt und wir bekommen viele positive Rückmeldungen.“

„Wir haben ein Forscherfragen-Plakat an der WC-Tür“

Plakat mit Post-its an der WC-Tür in der Kita
© Ev. Kita Dünne, Bünde / Nicole Zörner
Forscherfragen werden an der WC-Tür gesammelt.

Viel Sichtbares in Sachen Teamverankerung ist im Evangelischen Kindergarten Dünne in Bünde zu bestaunen. Das Team hat unter anderem einen „Visionsbaum“ und eine „KiQ-Wand“ im Mitarbeiterraum und ein Plakat für die Forschungsfragen der Kinder an der WC-Tür aufgehängt. Die Idee zum „Visionsbaum“ entstand in gemeinsamen Sitzungen mit ihrer Prozessbegleiterin. „Unsere Vision für 2022 lautet: Forschend entdecken wir gemeinsam die Welt und beantworten so unsere Fragen“, erklärt Kitaleiterin Nicole Zörner. Von Programmbeginn an hat Zörner für die Visionsarbeit das Bild eines Baumes genutzt, um mit ihrem Team über Stärken und Ängste rund um das „KiQ“-Modellprogramm zu sprechen. „Der Baum hat uns geholfen zu sehen, wofür unsere Kita steht, was uns allen am Herzen liegt und was wir uns für die Zukunft wünschen“, sagt Zörner.

Die „KiQ-Wand“ hängt ebenfalls im Mitarbeiterraum: „Hier sammeln wir alles, was wir erarbeiten“, erklärt Nicole Zörner. Die Idee mit dem Plakat für Forscherfragen entstand, „weil es in Corona-Zeiten schwierig war, alle Teammitglieder gleichzeitig anzusprechen“. Ideen sollten nicht verloren gehen. „Zur WC-Tür geht jeder und daher sammeln wir dort Fragen“.

„Für mich ist entdeckendes und forschendes Lernen glückliches Staunen“

Kitaleitung und Kitafachkraft bei beim "KiQ"-Workshop in Sachsen vom "Haus der kleinen Forscher"
Kitaleiterin Silke Kirchner nimmt mit ihrem Teamkollegen Jens Träger als Tandem an den "KiQ"-Fortbildungen teil (Foto vom Programmauftakt im Sept. 2020).

Auch Silke Kirchner, Leiterin der Integrativen Kindertagesstätte „Knirpsenland“ in Oderwitz, ging mit der Hoffnung an den Start, die Methodik und den pädagogischen Ansatz des „Hauses der kleinen Forscher“ in der ganzen Einrichtung zu verankern. Nun arbeitet das ganze Kita-Team regelmäßig an der Profilschärfung in Richtung guter früher MINT-Bildung für nachhaltige Entwicklung. Dabei haben sie gelernt: Haltung ist ein Schlüsselfaktor, um Forschungsanlässe im Kita-Alltag zu erkennen und den natürlichen Forschergeist jedes Kindes individuell zu fördern.

Silke Kirchner sagt: „Man muss den Kindern gewisse Freiräume lassen, und genauso den Erzieherinnen und Erziehern. Kinder sind in ihrem Denken unvoreingenommen. Sie machen mit den Erfahrungen und Materialien, die sie zur Verfügung haben, einfach etwas Neues. Und dann stehen wir als Erwachsene daneben und staunen, was da entstanden ist. Für mich ist entdeckendes und forschendes Lernen glückliches Staunen – bei den Kindern genauso wie bei uns als Lernbegleitungen.“

Über das Kita-Modellprogramm "KiQ"

Wort-Logo des Kita-Modellprogramms: KiQ - gemeinsam für Kita-Qualität
© Stiftung Haus der kleinen Forscher

Das BMBF-geförderte Modellprogramm (Laufzeit 2020-2022) erprobt, wie Kita-Leitungen sowie Erzieherinnen und Erzieher dabei unterstützt werden können, das entdeckende und forschende Lernen mit 3- bis 6-jährigen Kindern auf Dauer im Kita-Alltag zu verankern. Programmsäulen sind eine Fortbildungsreihe für Fachkraft-Leitungs-Tandems, Prozessbegleitung und Austauschrunden für die Kitas untereinander.

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