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9. Plenum Frühpädagogik

"Die Kinder von heute sind unsere Gesellschaft von morgen"

Wie bereiten wir Kinder auf die Welt von Morgen vor und ist unser Bildungssystem hierfür ausreichend aufgestellt? Zu diesem Thema kamen am 29. Oktober 2019 anlässlich des 9. Berliner Plenums Frühpädagogik rund 220 Gäste aus Politik, Wissenschaft, Trägerverbänden und Verwaltung  zusammen.

Auf dem Bild sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des 9. Plenums Frühpädagogik zu sehen
© Bettina Straub/FRÖBEL e.V.
Auf dem Bild sieht man Prof. Dr. Schleicher bei seinem Impulsvortrag
© Bettina Straub/FRÖBEL e.V.
Auf dem Bild sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des 9. Plenums Frühpädagogik zu sehen
© Bettina Straub/FRÖBEL e.V.
Auf dem Bild sieht man Claudia Striffler beim 9. Plenum Frühpädagogik
© Bettina Straub/FRÖBEL e.V.
Auf dem Bild sieht man Michael Fritz sprechen
© Bettina Straub/FRÖBEL e.V.

Gemeinsam mit den Gästen diskutierten Prof. Dr. Andreas Schleicher, Bildungsforscher und Direktor für Bildung bei der OECD, sowie Stefan Spieker, Vorstandsvorsitzender des FRÖBEL e.V. und Michael Fritz, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Haus der kleinen Forscher, darüber, wann eine positive Veränderung des Bildungssystems gelingen kann und was hierfür getan werden muss.

Welche Kompetenzen benötigen Kinder im 21. Jahrhundert?

Die Welt, in der Kinder heute aufwachsen, unterscheidet sich stark von der Welt ihrer Eltern oder Großeltern. Herausforderungen wie die Digitalisierung, Klimaveränderungen oder Migration prägen zunehmend die Gesellschaft und erfordern von den Menschen des 21. Jahrhunderts Kompetenzen, die ihnen dabei helfen, diesen souverän zu begegnen. Vor allem Deutschlands Bildungseinrichtungen stehen in der Pflicht, Kinder für eine Zukunft stark zu machen, die vom technischen, ökologischen und sozialen Wandel in noch ungewissem Ausmaß geprägt sein wird. Dass diesbezüglich Deutschlands Schulen im internationalen Vergleich noch Aufholbedarf haben, machte Prof. Schleicher in seinem Impulsvortrag unter anderem am Beispiel der letzten PISA-Ergebnisse deutlich. Zwar befinden sich die Leistungen deutscher Jugendlicher in Mathe und Naturwissenschaften noch immer über dem OECD-Durchschnitt. Dennoch liegen wir weit hinter Spitzenländern wie Singapur, Kanada oder Norwegen.

Laut Schleicher werde in Deutschland weiterhin "Fertigwissen" der Vergangenheit vermittelt und reproduziert. So seien Disziplinen wie beispielsweise die Trigonometrie (ein Bereich, der vor 300-400 Jahren vor allem für das Bemessen von Feldern relevant war) längst überflüssig, da sie heute von Computern übernommen würden und in der Arbeitswelt praktisch nicht mehr gefragt seien. Die fehlende Relevanz der Lerninhalte für die Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler nehme diesen die Neugier und führe zu einer Abnahme des MINT-Interesses, mit dem sie die Kita im besten Fall noch verlassen.

Was sollte unser Bildungssystem leisten?

Um sich in dieser neuen und vermehrt digital geprägten Welt zurechtzufinden, sind neue Lernstrategien gefragt. Trotz durchschnittlich guter Förderung kognitiver Fähigkeiten gelingt es deutschen Bildungseinrichtungen bislang nicht, den Erwerb epistemischen Wissens ausreichend zu unterstützen. So betont Schleicher: "Die Kompetenzen, die sie [Schülerinnen und Schüler] brauchen, um in dieser digitalen Welt zurechtzukommen, sind grundlegend andere als in der analogen Welt." So sei heute insbesondere das "Computational Thinking" gefragt, also die Fähigkeit, aus komplexen Problemstellungen Variablen zu abstrahieren, aus denen dann, zum Beispiel mithilfe von Algorithmen, verschiedene Lösungen generiert werden können. Ein solches Verständnis nicht-linearer Zusammenhänge sei vor allem wichtig für die Unterscheidung von Fakt und Fiktion. Während Jugendliche immer mehr online unterwegs seien, müssten sie entsprechend lernen, kritisch mit Informationen in der digitalen Welt umzugehen. Kreatives Denken, die Fähigkeit, mit Spannungsfeldern umzugehen und ethische Entscheidungen zu treffen sind demnach Zukunftskompetenzen, die Kindern – sowohl für das Leben in der digitalen als auch in der analogen Welt – früh vermittelt werden sollten.

Was können Schulen von der frühen Bildung lernen?

Für eine gelingende Bildungsbiographie, in der Kinder ihre Freude am Entdecken und Erforschen von Phänomenen behalten und davon überzeugt sind, mit ihrem Wissen in Zukunft etwas bewirken zu können, ist laut Schleicher die "Agency" entscheidend. Kinder sollten sich nicht nur als Rezipienten von Wissen, sondern als aktive Gestalterinnen sehen. Diese Erfahrung von Selbstwirksamkeit sei in der Kita noch gegeben, würde in den späteren Lebensphasen der Schülerinnen und Schüler aber verlorengehen. In Kitas würde außerdem der Grundstein für die Herausbildung sozialer Kompetenzen gelegt: Zu diesen gehört die Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung und Kooperation in heterogenen Gruppen, wie auch die Kontrolle von Emotionen. 

Welche Kompetenzen benötigen pädagogische Fachkräfte?

Der Umgang mit neuen Technologien im Zuge der Digitalisierung und die Vermittlung von Zukunftskompetenzen braucht auch ein entsprechend qualifiziertes Personal, welches Kinder auf ihrem Lernweg kompetent begleitet. Hierzu müssen pädagogische Fachkräfte ausreichend fortgebildet werden, um den oben genannten Anforderungen an das Bildungssystem gerecht zu werden. Gleichzeitig bedürfe es laut Schleicher mehr Wertschätzung der Fachkräfte an deutschen Bildungseinrichtungen, verbunden mit ausreichend Investitionen in die (frühe) Bildung, denn: "Die Kinder von heute sind unsere Gesellschaft von morgen", so Schleicher.

Impulsvortrag zum 9. Plenum Frühpädagogik

Das Video zeigt den vollständigen Impulsvortrag von Prof. Dr. Andreas Schleicher, Bildungsforscher und Direktor für Bildung bei der OECD, zum 9. Plenum Frühpädagogik. Mit freundlicher Genehmigung von Prof. Schleicher und FRÖBEL.

Weitere Informationen

Der FRÖBEL e.V. bringt im Rahmen der jährlichen Veranstaltung "Berliner Plenum Frühpädagogik" Fachleute aus Politik und Verwaltung, Wissenschaft, Medien und Verbänden sowie Träger der Kinder- und Jugendhilfe zusammen – in diesem Jahr erstmals gemeinsam mit der Stiftung Haus der kleinen Forscher.

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