Direkt zur Hauptnavigation, zur Unternavigation dem Inhalt oder zum Seitenfuß

Interview: "Kindergärten City"

"Das Forschen ist nicht nur ein Projekt, sondern Teil unserer Qualität"

Im Interview erzählen Trainerin Karin Cordts, Koordinatorin Liane Schiecke und Katja Grenner, pädagogische Geschäftsleiterin von "Kindergärten City", was das Besondere an Ihrem trägereigenen "Haus der kleinen Forscher"-Netzwerk ist.

Drei Frauen vor einem Wandregal, auf dem die Buchstaben "Kleine Forscher" stehen.
Katja Grenner, pädagogische Geschäftsleiterin von "Kindergärten City", Karin Cordts und Liane Schiecke im neuen Forscherraum.

50 der 56 Kitas, die zu "Kindergärten City" gehören, nutzen die Fortbildungen vom "Haus der kleinen Forscher", die sie intern anbieten. Wie kam es dazu, dass Sie ein trägereigenes Netzwerk gegründet haben?

Liane Schiecke: "Ich war 2008 gemeinsam mit einer damaligen Kita-Leitung auf einer Info-Veranstaltung vom 'Haus der kleinen Forscher'. Wir haben sofort gesagt: 'Das wollen wir für uns haben!'"

Warum?

Liane Schiecke: "Es war alles da: Der Alltagsbezug der Naturwissenschaften, es ist einfach umzusetzen und es macht sogar noch richtig viel Spaß. Besser geht es doch gar nicht. Wir müssen unseren pädagogischen Fachkräften nichts überstülpen, wir schieben sie nur an und geben ihnen Impulse. Anders gesagt: Wir vermitteln eine forschende Grundhaltung, die man wunderbar in den Alltag mitnehmen kann."

Karin Cordts: "Wir haben unsere Fortbildungen von Beginn an ganztägig konzipiert. So ist genug Zeit da, um sich auch auszutauschen. Das ist allen sehr wichtig."

Liane Schiecke: "Ganz schnell kamen die Rückmeldungen, dass sich bei den Erzieherinnen und Erzieher etwas geändert hätte: Sie haben anders auf die Kinder geschaut. Zum Beispiel erzählte eine Erzieherin, dass sie die Kinder mit Wasser planschen ließ, deren Spaß und Entdeckerfreude genoss – auch wenn die Ärmel nass wurden. Sie sagte: 'Stellt euch vor, ich kann das jetzt aushalten.'"

Es sind nicht die großen Dinge, die einen Unterschied machen.

Karin Cordts: "Ja, es sind nicht die großen Dinge, die einen Unterschied machen. Es ist vielmehr die kleine, wertschätzende Art, die den Unterschied macht. Zum Beispiel Kindern überhaupt die Möglichkeit zu geben, sich auszuprobieren. Oder einfach nur zu beobachten, anstatt sofort einzugreifen und zu zeigen, wie ‚man das macht‘."

Wie haben Sie es geschafft, dass so viele mitmachen?

Karin Cordts: "Ganz einfach: Die Erzieherinnen und Erzieher haben festgestellt, dass es Spaß macht. Viele der Kitas feiern keine Sommerfeste mehr sondern machen Forscherfeste. Da werden die Forscherstände von den Kindern betreut. Das schafft Sprachanlässe – nicht nur zwischen den Fachkräften und den Kindern, sondern auch in Bezug auf die Eltern."

Was ist das Besondere an Ihrem Netzwerk?

Karin Cordts: "Wir haben drei Trainerinnen in unserem Netzwerk. Wir kennen unsere 180 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, wir kennen die Kitas, in denen sie arbeiten und ihre Rahmenstrukturen. Das ist etwas anderes, als wenn ich ‚eingekauft‘ werde und mir fremde Menschen fortbilde. Das ist auch gut, aber anders. Für mich hat es eine ganz besondere Qualität, dass wir uns kennen und uns quasi gemeinsam weiter entwickeln können."

Frau Grenner, Sie als Geschäftsleitung unterstützen das Forschen in den Einrichtungen. Warum ist es Ihnen so wichtig?

Katja Grenner: "Das Forschen ist nicht nur ein Projekt oder ein Programm für uns, sondern Teil unserer Qualität. Es geht um das Tiefe Wissen, dass man alle nur über das Interesse begeistern kann. Und Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik sind ganz einfach spannende Themenbereiche. Und wenn etwas spannend ist, einen begeistert, will man sich mitteilen. Das gilt für Erwachsene genauso wie für die Kinder. So leisten wir mit einer guten frühen MINT-Bildung gleichzeitig eine gute Sprachförderung."

Sie haben jetzt diese tolle neue Forscher-Etage mitten in der Berliner City. Welche Pläne gibt es für die Zukunft? Wie wollen Sie die Räume nutzen?

Vor dem Eingang zum "Genuss-Reich" - der Küche.
Liane Schiecke vor dem "Genuss-Reich".

Karin Cordts: "Wir möchten uns gerne noch weiter öffnen und Eltern zum gemeinsamen Forschen einladen. Vor allem auch für Eltern ist das Thema interessant und die Herangehensweise vom 'Haus der kleinen Forscher' genau richtig: Forschen kann man auch im Alltag. Es gibt kein Richtig und kein Falsch. Dieser erste Schritt ist wichtig, damit die Scheu vor MINT-Themen genommen wird."

Liane Schiecke: "Viele Frauen sehen ihre Kompetenzen ja eher im sozialen oder sprachlichen Bereich. Genau diese Kompetenzen sind beim Forschen aber auch gefragt. Und nach den Workshops sagen viele: 'Klasse, das machen wir schon lange, aber mir ist noch nie aufgefallen, dass das ja Mathematik ist.' Es ist diese unaufgeregte Art, an spannende Dinge heran zu gehen. Auf diese Weise lernen Kinder gerne. Das unterscheidet uns in der Kita von Schule und das ist gut so."

Haben Sie ein paar Tipps für diejenigen, die vielleicht auch ein trägereigenes Netzwerk gründen wollen?

Karin Cordts: "Lasst es Menschen tun, die für die Sache brennen und bildet einen eigenen, verlässlichen Trainerstab."

Katja Grenner: "Holen Sie die Kita-Leitungen mit ins Boot. Wenn sie von der Sache überzeugt sind, können sie die Ideen sehr gut in die Teams tragen."

Liane Schiecke: "Und sie müssen damit leben können, dass nicht alle sofort genauso begeistert sind wie sie selbst – aber keine Sorge: Eine so offensichtlich tolle Sache bringt ganz schnell ganz viele Menschen mit ins Boot.

Über das Netzwerk

Zum Kita-Träger "Kindergärten City" zählen 56 Kitas in den Berliner Innenstadtbezirken Friedrichshain-Kreuzberg und Mitte. Rund 1200 pädagogische Fach- und Lehrkräfte  betreuen rund 7200 Kinder. 180 Erzieherinnen und Erzieher aus 50 Kitas machen im trägereigenen Netzwerk mit, acht der Kitas sind als "Haus der kleinen Forscher" zertifiziert. " "Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sagen immer wieder, dass sie sich erst als 'Haus der kleinen Forscher‘ zertifizieren lassen wollen, wenn wirklich alle mitmachen", sagt Liane Schiecke stolz.

Zur Netzwerkseite
Haus der kleinen Forscher auf FacebookHaus der kleinen Forscher auf TwitterHaus der kleinen Forscher auf Youtube