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Nordrhein-Westfalen

"Man kann im Alltag viel experimentieren – das kostet weder Zeit noch Geld"

In der Kita hat sie Stabschrecken untersucht, jetzt, mit 16, dreht Marike Skiba spannende Forscher-Videos. Im vorigen Jahr wurden gleich drei davon von verschiedenen MINT-Akteuren ausgezeichnet: der Allianz für MINT-Bildung, dem vdi.NRW sowie experiMINT und Schulewirtschaft NRW. Grund genug für das „Haus der kleinen Forscher“ einmal nachzufragen, was genau die Gymnasiastin zum Entdecken und Forschen motiviert und welchen Einfluss die pädagogischen Fach- und Lehrkräfte dabei hatten und haben.

Im Rahmen der Videoaktion #MeinTagistMINT machte Marike mit Simon den ultimativen Schnecken-Check.

Marike, was würdest du sagen: Hat dich die Herangehensweise deiner Erzieherinnen und Erzieher in deiner Entdeckungsfreude beeinflusst?

"Einige meiner Erzieherinnen haben mich auf jeden Fall beeinflusst, weil sie schon früh vermittelt haben, wie spannend es ist, ganz genau hinzusehen und sich auf neue Dinge einzulassen, dabei aber immer vorsichtig mit Lebewesen umzugehen. Beispielsweise fanden viele Kinder die Stabschrecken in der Kita erst gruselig und anschließend haben fast alle sie auf die Hand genommen. Wir wurden dadurch auch angeregt, anschließend draußen nach Tieren zu suchen und haben immer mehr gefunden, je besser wir geguckt haben."

Ein Mädchen mit ihrem Hund auf dem Arm.
© (c) privat
Marike Skiba hat ihre Entdeckungen in Forschungs-Videos umgesetzt.

Macht es einen Unterschied, wie Physik-, Bio- oder Mathelehrer mit Jungen und Mädchen sprechen? Oder ist es nur wichtig, dass sie selbst begeistert sind von ihrem Fach?

"Ich habe bisher nie Geschlechterunterschiede in Bezug auf den Inhalt bemerkt. Aber sicher machen die Fächer besonders viel Freude, die Lehrer unterrichten, die selbst begeistert sind. Ich mag zudem den Unterricht am meisten, in dem ich praktisch arbeiten darf und Unterricht, in dem man selbst Lösungen finden und nicht nur Wissen nachvollziehen muss."

Du hast in der Kita auch schon entdeckt und geforscht – und zwar mit Stabschrecken. Was genau habt ihr da gemacht?

"Zunächst haben wir uns die lebenden Tiere genau angesehen und versucht zu zeichnen und aus einem Stück Holz mit Draht nachzubauen. Spannend war der Kopf mit den Fühlern. Wir haben ausprobiert, wie die Tiere Wasser trinken. Auch unterschiedliches Futter haben wir angeboten und getestet, wie die Stabschrecken auf Farben reagieren. Dann haben wir sie vorsichtig angepustet und fanden es toll, wie sich die Stabschrecken daraufhin hin und her bewegt haben - wie im Wind. Schön, war auch zu beobachten, wie sie ihre Beine abwechselnd beim Laufen bewegen und interessant, dass sie immer auf ihre sechs Füße fallen – wie Katzen auf ihre vier."

Ich mag Unterricht, in dem man selbst Lösungen finden kann und nicht nur Wissen nachvollziehen muss.

Welchen Forschertipp würdest du den Erzieherinnen und Erziehern von heute geben? Was kann man toll machen in Kita und Grundschule?

"Am allerwichtigsten ist es, nie zu theoretisch zu denken – das geht in einer Kita oder in einer Grundschule nicht. Man kann mit so vielen alltäglichen Dingen experimentieren. Das kostet weder viel Zeit noch Geld. Fast alle Kinder experimentieren gern. Die Erzieherinnen und Erzieher sollten einfach loslegen, auch wenn sie es vielleicht noch nicht ausprobiert haben. Heute ist es gar nicht schwer, tolle Experimente zu finden, das Internet ist voll davon.

Ich selbst mag sehr gern Versuche mit Kindern durchführen, die sie so begeistern, dass sie sie zuhause ihren Eltern zeigen. Dann merken die Eltern hoffentlich, dass es ihren Kindern Spaß macht zu experimentieren und dann versuchen sie sie vielleicht auch in dem Bereich zu fördern und zu unterstützen. Ich bin in einer AG an meinem Gymnasium ('Coach junger Entdecker'), wo wir uns Experimente überlegen, und dann mit Grundschülern an unserer Schule durchführen."

Im "Haus der kleinen Forscher" erzählen wir gerne eine Schneckengeschichte, um zu verdeutlichen, worum es in unserer Pädagogik geht: Da fragt ein Mädchen die Erzieherin, ob die Schnecke denn auch eine Küche in ihrem Haus habe. Was meinst du, sollte man dem Kind antworten oder anders gefragt: Was würdest du machen, um gemeinsam mit dem Kind eine Antwort zu finden?

"Wichtig ist, das Kind ernst zu nehmen und es zu loben, dass es sich solche tollen Gedanken macht und solche Fragen hat. Gemeinsam würde ich mit dem Kind überlegen, wie man eine Antwort finden könnte und hoffen, dass das Kind – wie ich – erstmal Schnecken suchen gehen möchte. Im Anschluss würde ich versuchen, dass ich das Kind so begeistern kann, dass es ein Terrarium mit mir einrichten und Schnecken als Haustiere halten möchte. Dabei würden wir versuchen, gemeinsam zu überlegen, was eine Schnecke alles braucht und frisst. Sicher hat das Kind schon was gehört oder beobachtet.

Mir wäre sehr wichtig, möglichst nicht das Internet zu nutzen, um Informationen zu bekommen – es gibt stattdessen bestimmt ein schönes Schneckenbilderbuch.

Um noch einmal auf Ihre Geschichte zurückzukommen: Wenn das Kind sieht, dass die Schnecke Gras oder Salat frisst, wird es wahrscheinlich vermuten, dass das Haus keine Küche hat. Vielleicht findet man auch ein leeres Schneckenhaus, welches sich auch näher untersuchen lässt. Wichtig wäre mir auf jeden Fall, gemeinsam mit dem Kind zu überlegen, wozu das Haus der Schnecke dient. Ich glaube, auch kleine Kinder haben da sicher super Antworten parat."

Noch einen Satz zur Schönheit von Schnecken: Was ist dein Lieblingsdetail?

"Ich finde ganz viel ganz unglaublich an Schnecken. Mein Lieblingsexperiment ist auf jeden Fall, sie auf die Hand zu setzen und sie dann von vorne anzubrummen. Wenn man Glück hat, richten sich Achatschnecken auf dem Fuß auf und 'wedeln' mit den Fühlern. Das sollte jeder einmal gesehen haben. Besonders mag ich die kleinen schwarzen Augen an den Fühlerspitzen und die Raspelzunge – in der Fachsprache nennt man die auch Radula."

Die prämierten Videos

Mit dem Schnecken-Check überzeugte Marike zusammen mit Simon bei der Aktion #meinTagistMINT.

Den Science-Video Award vom zdi.NRW gewann das Video zum Löwenzahn.

Beim Wettbewerb "Naturwissenschaften? GERAFFT!" überzeugte Marike Skiba nicht nur aufgrund des prosaisch anmutenden Titels: Vergänglichkeit fixiert – brasilianischer Sauerklee.