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Praxisbeispiel Bildung für nachhaltige Entwicklung

Hilfe, die Hühner fressen den Regenwald!

Die Kita und der Hort "Die pfiffigen Kobolde" in Steinhöfel (Brandenburg) machen seit 2010 beim "Haus der kleinen Forscher" mit und wurden bereits mehrfach als "Haus der kleinen Forscher" zertifiziert. Mit dem Projekt "Hilfe, die Hühner fressen den Regenwald!" hat sie Bildung für nachhaltige Entwicklung besonders gut umgesetzt.

Wie sind die Kinder auf das Thema gekommen?

Der Bau einer neuen Hähnchenmastanlage in der Nachbarschaft von Steinhöfel war das Thema vieler Küchentischgespräche in den Familien der Mädchen und Jungen. Die Kinder berichteten von der Besorgnis der Eltern, diese Anlagen würden stinken, das Wasser verschmutzen und die dort lebenden Tiere würden gequält. Viele der Mädchen und Jungen fanden „Hühnchen“ sehr lecker – doch stammte das Fleisch auf ihren Tellern etwa auch aus so einer Anlage? Das wollten sie genauer wissen.

Wie sind die Kinder vorgegangen?

Huhn
Foto: DALIBRI / CC-BY-SA-3.0 via Wikimedia Commons

In Gruppen erforschten die Mädchen und Jungen, was ein glückliches Huhn zum Leben braucht, und sammelten zunächst ihre Fragen:

  • Haben Hühner Zähne?
  • Was fressen sie?
  • Wollen sie baden?
  • Alle schimpfen auf Mastanlagen – warum werden trotzdem immer mehr gebaut?
  • Immer mehr Hühner in immer mehr Anlagen brauchen immer mehr Futter – wo kommt das her?
  • Immer mehr Hühner produzieren immer mehr Gülle – wo geht die hin?

Antworten fanden die Kinder, indem sie verschiedene Hühnerhalter besuchten und sich die Tiere in unterschiedlichen Haltungsformen zeigen ließen. Da die Türen der Mastanlage verschlossen blieben, schauten sich die Mädchen und Jungen Fotos solcher Anlagen an, setzten 24 selbst gebastelte Zeitungs-Hühner in einen ein Quadratmeter großen Stall aus Bauklötzen und verschlossen Hühnerkot über mehrere Wochen in Gläsern, um zu erschnuppern, welche Atemluft die Tiere während ihres Lebens umgibt.

Was haben sie herausgefunden?

Icon Bildung für nachhaltige Entwicklung

Jede Antwort gab den Anstoß zu neuen Fragen und so gelangten die Kinder von den Haltungsbedingungen für Kleinvieh zum weltweiten Klimawandel und zur Verarmung von Bauern in Ländern des Globalen Südens: Sie stellten schnell fest, dass die Geschichte der Hühnerkeule nicht erst im Stall beginnt und auf dem eigenen Teller endet. Das Futter stammt aus südamerikanischen Soja-Plantagen, für die der dortige Regenwald abgeholzt wird, und die Hühner, die bei uns niemand essen möchte, werden nach Afrika verkauft und dort billiger als die lokalen Vögel verkauft. Auf einer Weltkarte dokumentierten die Mädchen und Jungen schrittweise die „Hühner-Produktionskette“ sowie die Auswirkungen auf Mensch und Umwelt in der Nähe und in der Ferne.

Aspekte von Bildung für nachhaltige Entwicklung im Praxisbeispiel

  • Lokal & global: Ein lokales Alltagsproblem der Kinder – die Haltungsbedingungen von Hühnern – zeigte sich durch die Nachforschungen als ein globales Ressourcenproblem.
  • Mehrperspektivität: Durch den Austausch mit verschiedenen Menschen, wie Hühnerhaltern und Eltern sowie durch den Bau des Modell-Hühnerstalls durchlebten die Kinder verschiedene Sichtweisen auf das Thema.
  • Partizipation: Die pädagogische Fachkraft griff die Fragen der Kinder auf und unterstützte sie dabei, Antworten darauf zu suchen. Die Mädchen und Jungen erlebten Wertschätzung der eigenen Fragen und handelten selbstständig.
  • Anknüpfungspunkte: Nicht in jeder Region gibt es Hähnchenmastanlagen. Aber was fällt den Kindern beim Frühstück auf? Woher kommt das Essen? Woraus besteht Käse? Woher kommt die Milch? Verfolgen Sie mit den Kindern die Wege der Nahrungsmittel, und besuchen Sie beispielsweise einen Bauernhof, auf dem es Kühe gibt.
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