Direkt zur Hauptnavigation, zur Unternavigation dem Inhalt oder zum Seitenfuß

Michael Fritz im Gespräch

Informatik in Kita und Grundschule – warum? Und vor allem auch: Wie?

Im September 2017 startete das neue Bildungsangebot der Stiftung "Haus der kleinen Forscher" zum Thema "Informatik entdecken – mit und ohne Computer". Michael Fritz, Vorstand der Stiftung, stellte sich den Fragen zum pädagogischen Umgang mit Informatik: Wie kann informatische Bildung in Kita und Grundschule aussehen? Und was sagt er zu etwaigen Vorbehalten gegenüber Computern und Co. im frühkindlichen Bereich?

Interview mit Michael Fritz
© Haus der Kleinen Forscher / Heidi Scherm
Michael Fritz im Interview zu informatischer Bildung

Herr Fritz, die Stiftung "Haus der kleinen Forscher" hat bisher Bildungsangebote für Kita- und Grundschulkinder in den Bereichen Mathematik, Naturwissenschaften und Technik gemacht. Nun haben Sie auch etwas zu Informatik im Angebot. Warum?

Unser Auftrag ist es, Pädagoginnen und Pädagogen stark zu machen, damit sie bei Fragen, die Kinder haben, ihrerseits die Mädchen und Jungen befähigen, sich auf die Suche nach eigenen Antworten zu machen. Und weil digitale Endgeräte zu unserer Welt – auch der der Kinder – gehören, ist das Thema Informatik relevant für die pädagogischen Fach- und Lehrkräfte – und damit ist es das auch für das "Haus der kleinen Forscher", das sich als Unterstützer der Pädagoginnen und Pädagogen versteht.

Welches pädagogische Verständnis steckt dahinter?

Naturwissenschaftliche Bildung beginnt für uns zunächst mit dem Entdecken von Alltagsdingen. Das kann die Raupe sein, die sich im Garten befindet, das kann der Fön sein, den Kinder auseinanderbauen, um herauszufinden wo die heiße Luft herkommt. Im Falle von informatischer Bildung können das aber auch digitale Endgeräte sein, die in der Kita stehen oder die sie von zu Hause kennen.

Wie genau sieht Ihr Angebot der informatischen Bildung aus?

Wir setzen im Alltag an: Wo in meiner Umgebung finde ich Informationstechnologie? Das kann bei der Ampel im Straßenverkehr sein, das kann aber auch bei der Frage sein, wie Computer funktionieren. Dann geht es um Abfolgen und konkrete Handlungsanweisungen, also Algorithmen. Das gehört für uns zur informatischen Bildung. Hier unterstützen pädagogische Fach- und Lehrkräfte das Kind im Alltag, um durch spielerische Situationen Grundlegendes zu verstehen.

Was sagen Sie zu dem Einwand, dass digitale Geräte "dumm" machen? Befördern Sie mit Ihrem Informatik-Angebot, das auch den Einsatz digitaler Geräte einschließt, nicht den Medienkonsum von Kindern?

Uns geht es darum, Kinder zum Denken und zum Verstehen zu bringen. Wir nutzen das, was in der Welt der Kinder ist, um sie zum Selberdenken, zum Verstehen zu bringen. Zum Gestalten. Und wenn uns Computer, Robotik-Programme, Bildschirme, digitale Medien dabei helfen, dass Kinder ihre Welt besser verstehen, vielleicht mehr darüber wissen und zudem noch ihre Denkfähigkeit steigern, und das vielleicht sogar miteinander entwickeln und dann sehen: "Wow, ich hab’s geschafft!", dann ist es uns wert, dass sie dafür ein digitales Medium nutzen.
Es geht nicht um mehr digitale Medien. Sondern es geht um mehr selbständiges Denken! Das ist unser entscheidender Ansatz bei der informatischen Bildung.

Ihr Angebot heißt: "Informatik entdecken – mit und ohne Computer." Wenn eine Erzieherin oder Grundschullehrerin Sie aber fragt, was das "Haus der kleinen Forscher" empfiehlt, was würden Sie antworten?

Meine erste Empfehlung lautet: Mach! Ohne Scheu und ohne Hemmnisse. Und wenn du in deinem Kindergarten keinen Strom und keinen Bildschirm und keinen Computer hast, dann geh informatische Bildung mit dem an, was da ist: Mit Steinen auf der Wiese, mit Schnüren an der Wand, oder mit Stift und Papier auf dem Tisch.
Und wenn ein Computer oder Rechner in der Kita stehen, würde ich nicht zögern zu sagen: Das nutze ich auch. Aber nicht als: "Wow, jetzt wird’s erst relevant", sondern als: "Das ist ein weiteres Werkzeug". So kann der Bildschirm ein Teil einer anregenden Lernumgebung sein.
Eventuell schaffen die Kinder so die Verbindung zwischen der dreidimensionalen Welt, dem Erlebten, und der Zweidimensionalität der digitalen Medien. Das kann sinnvoll sein. Aber von dort geht es wieder zurück in die Dreidimensionalität und vielleicht auf den Baum, von dem wir wieder runter springen.

Hintergrund zur informatischen Bildung

Experten orientieren sich gerne am Dagstuhl-Dreieck. Demzufolge hat digitale Bildung drei Dimensionen:

  • eine anwenderorientierte Perspektive (Wie nutzt man das?),
  • eine gesellschaftliche Perspektive (Wie wirkt das?),
  • und eine technologische Perspektive (Wie funktioniert das?).

Das "Haus der kleinen Forscher" als MINT-Bildungsinitiative konzentriert sich auf die technologische Perspektive.

Mehr zu "Informatik entdecken"
Haus der kleinen Forscher auf FacebookHaus der kleinen Forscher auf TwitterHaus der kleinen Forscher auf Youtube